Auf Island dampft die Kacke – Massentourismus wird Problem

Auf Island dampft in diesen Tagen die Kacke – und zwar ganz im wörtlichen Sinne. Im kleinen Dorf Vogar á Vatnsleysuströnd bei Reykjavik hat ein Bewohner einen Mietwagen mit menschlichen Exkrementen beschmiert. Der Tourist, der im Auto übernachtete, hatte seine Notdurft zuvor mitten in der Wohnsiedlung verrichtet. Die Aktion wird in den Sozialen Medien nicht etwa kritisiert – sondern gefeiert. „Gut gemacht!“ und“ Rein ins Gesicht“ sind noch die harmloseren Kommentare. Massentourismus auf Island stinkt für viele zum Himmel.

 

Die Stimmung der ansonsten extrem freundlichen Insulaner kippt, weil sich die Zahl der Touristen in den vergangenen Jahren um mehr als tausend Prozent steigerte. Massentourismus auf Island wird ein Problem. Nach dem Finanzkollaps 2008 war es der Tourismus, der das Land im Nordatlantik aus der Krise brachte. Fremdenverkehr ist für die Insel heute noch wichtiger als die Fischerei. Doch die Schattenseiten zeigen sich schon seit einiger Zeit. Gerade an den Attraktionen im „Golden Circle“ kommt es im Sommer zu regelrechten Staus. Der Massenandrang droht den Charme des wilden Landes zu beschädigen.

Massentourismus auf Island wird ein Problem

Mehr als 1.5 Millionen Besucher strömen jährlich  ins das kleine Land mit 300.000 Einwohnern. Manche Isländer fühlen sich gerade im Sommer, wenn die großen Kreuzfahrtschiffe anlegen, als Fremde im eigenen Land. Die Infrastruktur ist nicht auf die große Zahl Besucher ausgelegt. Um den Ansturm zu bewältigen, beschäftigen Cafés, Restaurants und Hotels immer mehr ausländische Fachkräfte.

Borgarnes, das isländische Dorf, in dem Brennivin gebrannt wird.

 

Was die Inselbewohner vor allem nervt: Die Rücksichtslosigkeit mancher Gäste im Umgang mit der Natur. „95 Prozent der Touristen beachten die Regeln, aber dennoch müssen wir einiges ändern, um sowohl den Schutz der Menschen als auch der Natur zu gewährleisten“, sagt Einar Sæmundsen vom der Nationalpark Þingvellir. Nicht allen Gästen ist klar, wie empfindlich die Fauna im hohen Norden ist. Berichte von Touristen, die sich und die Retter in Gefahr bringen, häufen sich. Menschen mussten aus den absonderlichsten Situationen gerettet werden, in dem sie mit kleinen Mietwagen versuchten, Flüsse zu durchqueren. Sie zertrampeln die Pflanzenwelt, lassen ihren Müll rücksichtslos zurück – oder sie kacken einfach in die Gegend und mitten in Dörfer hinein.

Schlagzeilen aus den vergangenen Wochen lesen sich so: „Einheimische angewidert: Touristen scheißen auf Kinderspielplatz“, „Tourist gefilmt, als er zehn Meter neben die Schnellstraße kackte“, „Kack-Kultur“. Die Sache stinkt – und auf Island kommen wichtige Fragen zu, denn die Beliebtheit des Landes wird nicht nachlassen. Noch mehr Touristen werden kommen – und es braucht ein Konzept, damit umzugehen.

Wir lieben Island – und können nur an alle appellieren, sich respektvoll zu benehmen. Von Island importieren wir den Brennivin. Und Mützen, Schals und Pullover lassen wir dort produzieren.

 

0 comments