MEER GLÜCK: Mein Zauberland in der Nordsee

Hallo Ihr Lieben!

Ich bin neu in der Ankerherz-Familie und darf in diesem tollen Blog nun mehrmals die Woche für Euch aus meinem sandigen Leben schreiben (in Kürze werde ich auch hier bei Radio Ankerherz – die Welle zum Meer moderieren – ich sag’ Euch dann Bescheid, wenn es soweit ist.)

Geschrieben habe ich bereits – vor meinem Umzug mit meinen beiden Kindern und frauentypisch 777 Sachen vor die Tore Hamburgs – auf der Nordseeinsel Juist. Über 16 Jahre lang war ich die Karla Kolumna dort: Der Juist-Blog, der offizielle Newsletter und die Juister Facebook-Seite haben mir viel Spaß gemacht.

Der Weggang von meiner Seelenheimat Juist ist mir alles andere als leicht gefallen – es war allerdings eine notwendige und längst überfällige Entscheidung aus persönlichen Gründen – denn ich bin quasi schon vor meiner Geburt mit dieser Insel verwurzelt worden: meine Mutter schwört, dass ich bei einem der zahlreichen Besuche meiner Eltern dort entstanden bin. Ich widerspreche ihr nicht (ist ein seltener Zustand), denn ich kann es kaum richtig beurteilen und mit dieser Vorstellung mehr als gut leben.

Juist, am Strand von “Zauberland”. Foto: Uta Jentjens.

Ostfriesisch für Zauberland

Juist nennt man auch das Töwerland – ostfriesisch für Zauberland. Und wenn dies vielleicht auch eine ganz alte, mittelalterliche Bedeutung haben mag – für mich macht es einfach so Sinn. Die Insel ist für mich wie eine Person – eine, die großen Einfluss auf das eigene Seelenleben hat. Wenn man sich auf sie einlässt und man den Mut hat, Gefühle mal nicht zu verdrängen – dann fühlt es sich oftmals so an, als würde sie diese verdoppeln. Ich habe das oft erlebt: Etwas hat mich glücklich gemacht, mir ist etwas gut gelungen oder ich war frisch verliebt – am Meer auf meiner Insel stehend, war dieses Hochgefühl so stark, dass man es kaum aushalten konnte. Im Gegenzug allerdings das Gleiche: Niedergeschlagenheit und Traurigkeit greift sich die besondere Magie auf dieser Insel genauso und steigert sie.

Als wäre die Nordsee ein großer Spiegel und wirft dir ein Bild von dir selbst zu.

Das Meer ist auf der schmalen Insel ja sowieso dein ständiger Begleiter, Du wachst mit seinem Rauschen auf und schläfst damit abends ein. Insofern stimmt es nur bedingt, wenn man von der Stille auf einer Nordseeinsel spricht – durch das ewige Rauschen der Wellen hat man in jeder Minute ein Geräusch im Ohr – was mir allerdings jetzt erst wieder bewusst wird, seit ich wieder auf dem Festland wohne. Da ertappe ich mich dabei, dass ich am Fenster vorbeigehend auf das Sausen der Autobahn von weit entfernt lausche und mir klar wird, was ich aufgegeben habe.

Nordsee, wie wir sie lieben. Foto: Ankerherz

 

Als ich noch dort lebte, bin ich bewusst nicht jeden Tag zum Strand gegangen. Ich wollte es weiterhin genießen – dieses Gefühl der Spannung, fast wie ein aufgeregtes Bauchkribbeln, wenn man seinen Strandaufgang hochsteigt, die Promenade mit den roten, vom Frost aufgesprungenen Pflastersteinen überquert, die Meeresbrandung immer lauter hörbar, der Weg immer sandiger wird. Dann betritt man den mit Paletten befestigten Abgang zum Strand und bleibt erst mal stehen.

An jedem Tag ist die Nordsee anders

Wie man selber an jedem Tag irgendwie ein bisschen anders ist, so ist das für mich auch der Strand und das Meer: An keinem einzigen Tag hat man den gleichen Anblick, den selben Geruch oder eine ähnliche Geräuschkulisse. Durch Wind, Wetter, Jahreszeiten, Licht, Wolken oder eben auch durch die eigene innere Grundeinstellung in diesem Moment, in dem man dort steht und seinen Blick in die Unendlichkeit schickt, ist es jedes mal neu.

Gleich geblieben ist im Prinzip nur immer, dass ich dort oben einmal ganz tief eingeatmet und mich sozusagen gewappnet habe, für die Stimmung der Nordsee an diesem Tag. Und genau das steht für mich als Meer-Glück: das Einlassen können auf das, was dieses Element einem zu geben hat. Das Zulassen der eigenen Einsamkeit, des Sich-klein-Fühlens, der geradezu kindlichen Freude. Und der Demut.

 

Uta Jentjens, Jahrgang 1974, lebte 16 Jahre lang auf der Insel Juist. Heute wohnt sie mit ihren beiden Kindern im Süden von Hamburg. Ab sofort schreibt sie im Ankerherz-Blog MEER GLÜCK über ihr Leben mit und ohne die Nordsee.

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