Mr. Ostfriesen-T: Digitale Landwirtschaft statt Opas Stulle

Mein Besuch auf der Agritechnica in Hannover, der größten Messe für Landtechnik, lief an manchen Stellen aus dem Ruder. Schon vor dem Parkhaus ging der Rummel los: Der Erste winkte und wollte ein Selfie mit mir machen. An manchen Ständen gab es einen regelrechten Auflauf. Einmal, als wir uns auf den Weg in eine andere Halle machten, hielt ein Polizeiauto neben uns. Der Beamte betrachtete die Szene, fuhr die Scheibe herunter und kommentierte:

„Da machste einmal sonnen Scheiß…“

Er meinte mein Video vom Acker, das millionenfach angeklickt wurde. Wir haben alle gelacht.

Die Neider können mich gerne haben

Es gab auch Momente, die nicht so schön waren. An einem Stand pfiff mir ein älterer Herr hinterher, wie einem Hund, weil er ein Foto machen wollte. Ich habe ihn ignoriert. So ist das auch mit einigen Neidern, die hinter meinem Rücken lästern mögen. Ich kann es nicht ändern, doch ich werde mich nicht aufregen. In der Ruhe liegt die Kraft, sagen wir Ostfriesen, und jeder, der mich kennt weiß, dass mich der Rummel nicht ändern wird.

Ich liebe große Maschinen. Deshalb ist die Agritechnica für mich ein bisschen so wie Weihnachten für einen kleinen Jungen. „Backbeest“ nenne ich die großen Schlepper. Einer hatte Doppelreifen und 517 PS. Am liebsten wäre ich gleich damit los.

Digitale Landwirtschaft statt Opas Methoden

In der Halle, in der es um Digitale Landwirtschaft ging, war ich fasziniert. Es gibt eine neue Technologie, bei der das Feld mit einem spricht. „Moin Feld. Moin Keno?“, ne, so nicht. Eine Kartenanimation zeigt dem Landwirt auf einem Tablet, wo sein Saatgut besonders gut anging und wo die Pflanzen zum Beispiel noch Dünger brauchen. Satelliten im Weltall vermessen die Pflanzen auf dem Feld, Dronen sind im Einsatz, es ist alles ein wenig wie aus einem Sciene-Fiction-Film.

Ich dachte an meinen Opa Herbert und seinen alten Traktor. Damals saß ich hinten im Fahrerhäuschen als sein Mini-GPS. Mittags machten wir Pause mit Stullen und Tee aus der Thermoskanne. Das habe ich lange nicht mehr erlebt. Heute ist alles moderner, technischer, effizienter. Doch die Romantik fehlt mir manchmal.

 

(Aufgeschrieben von Stefan Kruecken, Ankerherz)

 

Keno Veith, Jahrgang 1981, wuchs in einem Dorf bei Wittmund in Ostfriesland auf. Er arbeitet als “Lohner” bei Carsten Meyer Lohnunternehmen. Im Ankerherz Blog „Mr. Ostfriesen-T“ erzählt er aus seinem Leben. Seinen liebsten Hoody gibt es hier im Shop.

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