Mr. Ostfriesen-T: Gülle, Sonntag und die AfD

Wie es aussieht, können wir endlich wieder raus auf die Felder um zu arbeiten. Erst war es nach wochenlangem Dauerregen viel zu nass, dann war es zu kalt. Bei Dauerfrost dürfen wir nicht Gülle fahren. Einige Kollegen haben am Sonntag, als das Tauwetter einsetzte, schon damit angefangen, doch ich mochte das nicht. Der Sonntag ist für mich heilig. Sonntags Ernte fahren, das kein Problem. Doch Gülle am Sonntag, das mag ich nicht. Sonntags habe ich oft meine kleinen Jungs. Sonntags möchte ich für mich und die Kinder haben, Pizza auf der Couch und das A-Team zum Beispiel. So sehr ich meine Arbeit auch liebe.

Sonntags mit Gülle rauszufahren halte ich momentan für keine gute Idee. Die Stimmung der Bevölkerung ist ohnehin schon aufgeladen. Die Leute sind wütend. Wenn sie den Güllewagen sehen, werden sie sauer. Es sind viele falsche Informationen im Umlauf und viel Unkenntnis. Wann wir fahren dürfen, ist genau geregelt. Wir Lohner und auch die Landwirte werden von den Behörden regelmäßig kontrolliert. Die sind richtig hinterher.

Vor einiger Zeit hatte ich reichlich Ärger. Der kam aus dem Nirgendwo, ich wusste gar nicht, wie mir geschah. Eine anonyme Anzeige, weil ich angeblich zu nahe an einem Gewässer gefahren war. Das stimmte nicht, denn ich achte genau darauf, den vorgeschriebenen Abstand einzuhalten. Meistens baue ich noch einen Puffer ein. Doch die Anzeige war in der Welt und die Ermittlungen wegen Umweltverschmutzung liefen. Das ist kein Kavaliersdelikt: hohe Geldstrafen und sogar Freiheitsstrafen drohen.

War keine gute Zeit. Ich machte mir Sorgen, obwohl ich mir nichts vorzuwerfen hatte. Der Anwalt meines damaligen Chefs hat das dann geregelt, doch ich weiß nicht, was ich ohne den Anwalt gemacht hätte. Ich wünsche mir, dass die Sachlichkeit zurückkehrt. Und ein Grundvertrauen: Wir Lohner und Landwirte arbeiten von und mit dem Land. Das ist unsere Lebensgrundlage. Die werden wir nicht verschmutzen.

Gülle, Plattdeutsch und die AfD

Der SPD-Bundestagsabgeordnete Johann Saathoff hat im Parlament eine Top-Ansage gemacht gegen die AfD. Fein hat er allen auf Plattdeutsch erklärt, was für eine Bereicherung es ist, mehrere Sprachen zu haben. Davor muss man keine Angst haben. Ich sehe die Hetze der AfD gegen alles Fremde sehr kritisch und fand stark, wie humorvoll Saathoff gekontert hat.

Dafür wurde ich nun auf meiner Facebook-Seite angefeindet. Ich solle die AfD in Ruhe lassen, ich würde mich „einspannen“ lassen vom Ankerherz Verlag, der sich bekanntlich seit langer Zeit gegen die neuen Rechten engagiert. Wie herablassend ist das denn? Ich darf also keine politische Meinung haben?

Nein, so läuft das nicht. Ich weiß, wie es ist, rassistisch beleidigt zu werden. Ich weiß, wie es sich anfühlt und ich habe das nicht vergessen. Ich bin dankbar, nun eine Plattform zu haben, um diesen Leuten zu widersprechen.

Und das werde ich tun, wie und wann es mir passt. Wem das nicht passt, dem sage ich eines auf Plattdeutsch: Klei mi am Mors.

(aufgeschrieben von Stefan Kruecken, Ankerherz)

 

KENO VEITH, JAHRGANG 1981, WUCHS IN EINEM KLEINEN DORF BEI WITTMUND IN OSTFRIESLAND AUF. ER ARBEITET ALS “LOHNER” BEI CARSTEN MEYER LOHNUNTERNEHMEN. IM ANKERHERZ BLOG ERZÄHLT ER AUS SEINEM LEBEN. SEINEN NEUEN KAPUZENPULLOVER “KENO” GIBT ES NUR HIER.

 

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