Mr. Ostfriesen-T: Mobbing von Bauernkindern ärgert mich

Im Facebook lese ich von einem Vater, dessen Sohn in der Kita gehänselt wurde. Weil er angeblich „nach Stall stinkt“. Der Vater ist traurig und auch wütend, und ich kann ihn verstehen. Er postet das Foto seines kleinen Sohnes, der eine Kuh umarmt. „Papa? Kühe stinken gar nicht. Die riechen gut. Die im Kindergarten haben keine Ahnung. Mir kamen fast die Tränen“, schreibt der Mann, Thomas Andresen heißt er.

Ich kenne ähnliche Geschichten noch aus meiner eigenen Schulzeit. Freunde von mir wurden häufig als „dumme Bauern“ beschimpft. Weil man im Winter ab und zu das Silo aus ihren Kleidern roch. Oder weil sie Plattdeutsch sprachen. Heute finden es viele wieder schön, die eigene Sprache zu pflegen. Damals galt das als rückständig.

Trotzdem hing ich immer genau mit diesen Jungs ab. Wie sie wuchs ich auf einem Bauernhof auf, von Opa Herbert und Oma Waltraud in „Asel City“, einem Dorf von vielleicht sechshundert Einwohnern. Es ist einfach so: Auf die Jungs vom Land kann man sich immer verlassen.

Screenshot Facebook

 

Mobbing von Bauernkindern muss aufhören

Kinder sind manchmal grausam. Manches kommt sicher auch von ihren Eltern, und es ist nicht in Ordnung, dass Mobbing von Bauernkindern ein Problem ist. Der Kinderschutzbund warnt schon seit einiger Zeit davor. „Fast jede Familie ist betroffen“, sagt der Vorsitzende des Kinderschutzbundes Niedersachsen.

Ich finde das schlimm. Warum müssen Debatten um Tierschutz und Landwirtschaft so extrem werden, dass Kindern zu Opfern werden? Das geht nicht.

Wir sollten froh sein, dass es Landwirte gibt, die unsere Nahrung in die Regale und Kühltruhen bringen. Dazu zähle ich mich als Lohner auch. Wir sollten ihnen und ihren Familien mit Respekt begegnen.

Aufgeschrieben von Stefan Kruecken, Ankerherz

 

Keno Veith, Jahrgang 1981, wuchs in einem Dorf bei Wittmund in Ostfriesland auf. Im Ankerherz Blog „Mr. Ostfriesen-T“ erzählt er aus seinem Leben. Den Kapuzenpullover Keno gibt es hier.

 

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