Mr. Ostfriesen-T: Von Opa Herberts Traktor zum Hightech-Backbeest

Als ich das erste Mal auf einem Traktor saß, war ich so lütt, dass ich Mühe hatte, an die Pedale zu kommen. Ich war acht Jahre alt und musste mich mächtig strecken. Mein Opa Herbert ging neben dem Traktor her, um aufzupassen. Der Diesel nagelte und schnaubte und schnaubte Russ wie ein alter Drache.

Der Traktor, mit dem ich heute arbeite, läuft so ruhig, dass mich Leute, mit denen ich telefoniere, oft fragen, wo ich bin. „Wie, bei der Arbeit?“, fragen sie dann. 360 PS hat meine „Backbeest“, GPS, Internetverbindung, ich bekomme die Daten auf mein Tablet. Ich kann die Reifen per Knopfdruck automatisch mit einem Kompressor aufpumpen oder die Luft ablassen, je nach dem, wie feucht der Boden auf dem Acker ist.

Ackern mit High-Tech: Keno Veith unterwegs mit seinem Traktor.

 

Traktor? Mein Arbeitsgerät ist High-Tech

Mein Traktor ist ein High-Tech-Gerät, das soviel kostet wie ein Einfamilienhaus. In Kombination mit dem computergesteuerten Güllehänger ergibt es den Wert eines sehr großen Einfamilienhauses. Mit dem Traktor von Opa Herbert hat mein Arbeitsgerät jedenfalls so viel zu tun wie ein Büchsentelefon mit dem neuen Smartphone.

Was die Internetverbindungen bei uns in Ostfriesland angeht, könnte man überspitzt sagen, dass wir in Opa Herberts Zeiten steckengeblieben sind. In manchen Gegenden habe ich auf dem Acker keinen Internet-Empfang und nicht mal mein Telefon funktioniert. Das ist nicht nur nervig, sondern behindert auch unsere Arbeit auf den Feldern.

Wir brauchen endlich schnelles Internet auf dem Land

Wenn sich am Auftrag etwas ändert, ist man nicht erreichbar – und um die großen Maschinen effizient zu bedienen, brauchen wir auch schnelles Netz. Sie übermitteln permanent ihre Daten und errechnen, wo wir noch nicht waren. Was nützt die beste Technik, wenn wir die Maschinen nicht richtig einsetzen können?

Dass der Deutsche Bauernverband jetzt fordert, endlich schnelles Internet auch auf dem Land zu garantieren – mit Glasfaserkabeln bis auf die Höfe und schnellem mobilen Netz – finde ich richtig. Es ist eigentlich schade, dass man überhaupt drüber reden muss. Steht uns auf dem Land kein schnelles Internet zu? Ist das nur etwas für Ballungszentren? Gerade bei uns sollte es schnelles Internet geben, denn in manchen Gegenden mangelt es gerade für junge Leute an Freizeitangeboten.

Ab morgen bin ich auf der Agritechnica unterwegs, der weltweit größten Messe für Landmaschinen in Hannover. Ich liebe große Maschinen. Wie sieht die neueste „Backbeest“ wohl aus? Ich bin gespannt.

 

Aufgeschrieben von Stefan Kruecken // Fotos für Ankerherz von Axel Martens.

 

Keno Veith, Jahrgang 1981, wuchs in einem Dorf bei Wittmund in Ostfriesland auf. Keno arbeitet als “Lohner” bei Carsten Meyer Lohnunternehmen. Im Ankerherz Blog „Mr. Ostfriesen-T“ erzählt er aus seinem Leben. Seinen liebsten Hoody, den er trägt, gibt es nur hier bei uns im Shop. ///

 

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