Mr. Ostfriesen-T: Wir brauchen mehr Dialog mit Bauern

Nun gibt es also eine App, die „Grüne Umwelt“ heißt und mit der man Landwirte und Lohner wie mich anzeigen kann. Auf Wunsch auch anonym, wie in der DDR. Die Nutzer machen ein Foto, die App sucht den Standort – und die aufgenommenen Daten werden direkt an Umweltschutzbehörden weitergeleitet. Nach Meinung des Entwicklers geht um: „Umweltsünden, die nachhaltig unsere Lebensgemeinschaft schädigen.“ Herausgeben wird sie vom Mitglied eines Grünen-Ortsverbandes in Fintel (Kreis Rotenburg-Wümme, Niedersachsen).

Ich finde, das ist eine unglaubliche Sauerei!

Inzwischen haben sich auch viele Mitglieder der Grünen selbst von der Denunzianten-App klar distanziert. Doch sie ist der neue Höhepunkt einer Hetze gegen Menschen aus der Landwirtschaft, die ich schon mehrfach angesprochen habe. Manche Landwirte haben sich deshalb schon entschieden, ihre Höfe zu schließen – und nach Aussagen des Kinderschutzbundes werden sogar fast alle Kinder von Bauern gemobbt.

 

Alte Omas zeigen mir den Stinkefinger

Wenn ich mit Schlepper und Güllefass unterwegs bin, ist es schon normal, dass mir Leute den Stinkefinger zeigen. Oder den Scheibenwischer. Selbst respektable, alte Omas verhalten sich wie Hooligans, wenn sie ein Güllefass sehen. Jede Kleinigkeit wird beäugt. Man kriminalisiert Bauern und Lohner. Wir haben aber nichts verbrochen, wir machen nur unseren Job, um das Land zu ernähren.

Nun kann ich verstehen, dass die Leute sensibel geworden sind. In einigen Landstrichen ist in der Vergangenheit richtig Mist gebaut worden; die Nitratwerte im Boden sind viel zu hoch und sogar das Grundwasser in Gefahr. (Unter den Links könnt Ihr Euch informieren.) Doch heute gibt es klare Vorschriften, in denen wir uns bewegen müssen. Ein Problem ist, dass manche Medienvertreter falsch und einseitig berichten. Warum sucht kaum jemand den Dialog mit den Leuten vom Land? Auch nicht die Medienvertreter?

Wir brauchen mehr Dialog mit Bauern

„Wenn die Böden gefroren sind, läuft die Gülle in die Gräben“, solchen Quatsch muss man lesen. Die Wahrheit ist anders: Nachtfröste sind gut, denn sie erleichtern das Ausbringen. Ist der Boden knallhart geforen, dürfen wir nicht fahren. Der leicht angetaute Boden nimmt die Nährstoffe ideal auf, sie haften dann an der Pflanze, die sie dann für ihr Wachstum hat, sobald es wieder warm ist. Früher durfte Gülle auf jeden Acker geknallt werden. Heute ist es nur auf Flächen mit Grünpflanzen erlaubt.

Bauern wissen, was für ihr Land und ihre Pflanzen gut ist. Meine Maschine ist ein Hightechgerät, das die Gülle mit Druck auf dem Boden ausbringt. Es stinkt nicht mal. Vor kurzem hatte ich einen Fotografen zu Gast, der erst skeptisch war, als er hörte, dass ich Gülle fuhr. Er hat nichts gerochen.

Also Leute: Zeigt den Leuten nicht den Finger, wenn ihr einen Trecker mit Güllefass seht. Fragt ihn doch einfach, was los ist. Nur im Dialog kommen wir voran – und das gilt ja nicht nur für die Gülle.

 

AUFGESCHRIEBEN VON STEFAN KRUECKEN, ANKERHERZ

 

KENO VEITH, JAHRGANG 1981, WUCHS IN EINEM DORF BEI WITTMUND IN OSTFRIESLAND AUF. IM ANKERHERZ BLOG „MR. OSTFRIESEN-T“ ERZÄHLT ER AUS SEINEM LEBEN. DEN KAPUZENPULLOVER KENO GIBT ES HIER.

 

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