MSC Zoe: Der Kampf mit den Spätfolgen der Havarie

MSC Zoe an der Kai: Dieses Foto ist von gestern Nachmittag, aufgenommen im Containerterminal Bremerhaven. Die MSC Zoe, der Großfrachter, der im Januar 341 Container in der Nordsee verlor, wird beladen. Alles sieht alltäglich aus, das Schiff ist wieder im Dienst. Doch auf der Nordsee kämpft man mit den Spätfolgen der Havarie.

Jeden Tag laufen Bergungsschiffe aus, um aus der Nordsee zu holen, was nach der Havarie herausgeholt werden kann. In den Niederlanden ist es das Spezialschiff “Atlantic Tonjer”, in Emden die “Gustav Meyer”. Es ist ein mühsames Geschäft für die Seeleute. Die Annahme, dass man einfach Container aus dem Wasser fischt, ist nämlich falsch. Nach einem Dutzende Meter tiefen Fall auf die Wasseroberfläche bleibt von vielen Stahlkisten nichts übrig als Altmetall, das nun  auf dem Grund der Nordsee liegt. Einige bleiben intakt und sind eine Gefahr für Segelschiffe.

Gefahr durch treibende Container

In einem Interview mit Radio Ankerherz erklärte Klaus Ricke, der erfahrene Kapitän des Großsegler Alexander von Humboldt, dass ihn die im Wasser treibenden Container stark beunruhigen. “Unter Vollzeug im Dunklen draufzufahren, das ist ein Alptraum”, sagte er. “Wenn wir eine Ecke treffen, haben wir ein Loch im Schiff.”

Kapitän Klaus Ricke. Foto: Ankerherz

 

Von vielen Kisten aber sind nur Metallteile übrig. Der Inhalt hat sich im Meer verteilt. Niederländische Fischer berichten, dass sie ständig Müll in ihren Netzen haben. Im Wattenmeer sind Mengen von kleinsten Plastikteilchen aufgetaucht. Von drei Gefahrgutcontainer fehlt noch immer jede Spur.

Sorgen der Umweltschützer

Tausende Insulaner und freiwillige Helfer, von denen viele extra anreisten, halfen dabei, die Strände oberflächlich zu säubern. Gegen Kleinteile und Mikroplastik aber können auch sie wenig ausrichten. Umweltschützer fürchten, dass sie im Meer bleiben und lange für Probleme sorgen werden.

Zur Ursache der Havarie gibt es noch keine genauen Erkenntnisse. Nach Informationen von Ankerherz waren die Laschstangen und Twistlocks allesamt intakt, als das Schiff in Bremerhaven festmachte. Die viel gelesene Theorie, dass aus Zeitgründen schlampig gearbeitet wurde und das Schiff trotz des Sturm mit schlecht gelaschten Containern unterwegs war, stimmt demnach nicht.

Folgen der MSC Zoe Havarie

Bestätigt aber hat sich hingegen, was zuerst niederländische Fischer beobachtet hatten (wir berichteten): Der 396 Meter lange Großfrachter war am Unglückstag auf einer südlichen “Küstenautobahn” unterwegs. Es gibt zwei Verkehrswege: Einen nördlichen, der einen kleinen Umweg bedeutet, und einen südlichen, der nahe an den Inseln vorbei führt. Die Wassertiefe beträgt allerdings nur zwanzig Meter. Ist es klug, mit einem Schiff, das 16 Meter Tiefgang hat, diesen Weg in einem Sturm zu benutzen? Bei schwerem Seegang und der Gefahr von Grundseen. Nein, ist es bestimmt nicht. Aber es ist auch nicht illegal – sofern kein Gefahrgut an Bord ist. Wie dies im Falle der MSC Zoe zu bewerten ist, die mehrere Container mit Gefahrgut an Bord hatte, ist nun eine interessante Frage.

Vor den Inseln Terschelling und Ameland bekam der Kapitän der MSC Zoe, gegen den ermittelt wird, jedenfalls massive Probleme, wie die Trackingdaten zeigen. Ob es zu einer Grundberührung kam, wie manche Fachleute vermuten? Das wird der Unfallbericht zeigen. Es wäre jedenfalls eine Erklärung dafür, dass die Container an beiden Seiten von Bord fielen.

Das empfindliche Ökosystem Wattenmeer und die Inseln werden noch lange mit den Folgen der Havarie zu tun haben. Auf den Inseln werden Forderungen an die Politik laut, den südlichen Wasserweg vor der Haustür für Großcontainerschiffe zu sperren.

 

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