NORDSEE-GOLD. Die Kutter-Kolumne: dicke Büddels

NORDSEE-GOLD /// DIE KUTTER-KOLUMNE VON ANKERHERZ

FOLGE 1: DICKE BÜDDELS!

Von Andre Claußen, Kapitän & Eigner des Krabbenkutters „Andrea.“

„Eben bin ich zurück von der Nordsee gekommen, pünktlich zum Geburtstag unserer Lütten, sie wird heute vier. Es war eine lohnende Reise, ich bin recht zufrieden zurück in Büsum eingelaufen. Acht Tage waren wir draußen bei ruhigem Wetter, nördlich von Helgoland. Wo genau wir gefischt haben, möchte ich nicht verraten: Berufsgeheimnis. „Dicke Büddels“, das ist bei uns Fischern der gute Wunsch, den man mit auf die Reise gibt, vergleichbar mit dem „Waidmannsheil“ der Jäger. Wie man zu den „Dicken Büddels,“ zu den prallen Netze kommt, muss man für sich behalten.

Fischer sind, zumindest solange sie auf See sind, echte Lügenbarone. Niemand würde preisgeben, wenn die Erträge gut sind. „Ne, gar nix los“, murmeln die Kollegen ins Funkgerät. Ist ja auch klar: Wenn man verrät, wo etwas zu holen ist, hat man am nächsten Tag viele Boote im Revier. Knapp 50 Kutter sind immer draußen unterwegs, die Fischer aus Friedrichskoog, aus Büsum, aus Husum, aus Dänemark und den Niederlanden. Vor den Küsten unserer Nachbarländer ist in diesem Winter nicht viel los, weshalb die Kollegen vor unserer Haustür arbeiten.

Krabben zu finden, ist eine Art Kunst. Ich habe mir etwas abgeschaut bei meinem Vater. Ich habe mir gemerkt, wo seine besten Stellen waren. Die Krabben wandern. Es gibt Gegenden, die sind besser als andere, aber mit Gewissheit kann niemand sagen, wie die Tiere sind. Die ersten beiden Tage haben wir nichts in den Netzen gehabt, null. Es war ziemlich frustrierend, bis ich den richtigen Riecher hatte.

Das Greenhorn kam nicht aus den Puschen

Auf dieser Reise war ein „Greenhorn“ an Bord, ein Praktikant. Seine erste war gleichzeitig seine letzte Reise auf der „Andrea“. Der Junge kam einfach nicht aus der Koje. Fünf Minuten nach dem Wecken sollte man man einsatzbereit an Deck sein, dann habe ich die Netze oben. Decksmann Sören war schon mit dem Steert fertig (dem hintersten Abschnitt des Schleppnetzes), als er noch nicht mal in den Stiefeln steckte. Er hätte auch gleich liegenbleiben können, denn solch eine „Hilfe“ kann man an Bord nicht gebrauchen.

Er gab sogar patzige Antworten, als ich ihm etwas erklären wollte, und einmal hat er sich einfach umgedreht und ist weggegangen. Bei mir, dem Käpt´n! Ich bin ruhig geblieben, obwohl es mir schwer fiel. Der Respekt ist nicht mehr da, das erzählen die Alten. Ich hätte mich früher gar nicht getraut, mich so verhalten. Früher hätte es vom Alten einen Tritt in den Mors gegeben, einen heftigen Tritt. Kann ich heute als Kapitän nicht machen. Die Zeiten haben sich geändert.“

Andre Claußen, Jahrgang 1983, ist Kapitän und Eigner des Krabbenkutters Andrea, 17.27 Meter lang, 5.41 Meter breit, mit Heimathafen Friedrichskoog in Dithmarschen. Auf Ankerherz.de erzählt er aus seinem Leben.

 Aufgeschrieben von Stefan Kruecken

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