NORDSEEGOLD, die Kutter-Kolumne: Gefahr vor Sylt

DIE KUTTER-KOLUMNE VON ANKERHERZ

FOLGE 3: GEFAHR vor Sylt!

Von Andre Claußen, Krabbenkutter „Andrea.“

„Das Wetter war angenehm, die Sonne schien und wir waren dicht vor den Dünen von Sylt unterwegs, doch trotzdem war es keine gute Woche auf der Nordsee. Wir haben keine Krabben gefunden – dafür aber einen schweren Findling im Netz gehabt. Einen dicken Brocken, ich schätze: drei Tonnen schwer, der das Netz zum Glück glatt durchtrennte. Es ist noch gut gegangen, denn einen Findling dieser Größe aufzugabeln, fürchtet jeder Fischer.

Wenn man nicht aufpasst und rechtzeitig das Netz „auskuppelt“, dreht sich das Schiff fest und kentert. Eine solche Situation kann, wenn sie nicht schnell gelöst wird, richtig gefährlich sein. Zwei Kutter sind in den vergangenen Jahren auf diese Weise umgekippt, ein Kollege kam aus Friedrichskoog, unserem Heimathafen.

Der Findling jedenfalls war die „Krönung“ dieser Woche. Acht Stunden dauerte es, das Netz im Hafen zu flicken, zwei Stunden Fischzeit verloren wir auf See. Das drückt die Stimmung der Jungs – wobei es zum Alltag gehört, auch mal Phasen zu durchfahren, in denen es eben nicht so klappt wie gewünscht. Kennt jeder Fischer.

Die dicken Steine von “Greenpeace”.

Vor Sylt müssen wir ohnehin immer aufpassen. Manchmal spült die Tide Wrackteile frei, die in keiner Karte verzeichnet sind. Einmal, das war allerdings vor Amrum, hatte ich einen Anker im Netz. Einen riesigen Anker! Sorge machen allen Fischern an der Küste die Steinbrocken, die „Greenpeace“ vor Sylt versenkt hat, um die Fischbestände zu schützen. Knapp 300 waren es, bevor ein Gericht die Aktion gestoppt hat. Die Teile sind nur schlecht in den Karten verzeichnet und bedeuten eine reale Gefahr.

Ich sage es so: Ich verstehe das Anliegen von „Greenpeace“ – denn ihre Motivation teile ich. Ich will nachhaltig fangen, sonst zerstöre ich meine eigene Lebensgrundlage und die meiner Kinder. Ganz klar: Mir ist an Umweltschutz gelegen. „Greenpeace“ übertreibt es manchmal, das ist meine Meinung. Ein Dialog ist kaum noch möglich, und das finde ich schade. Wir Fischer leben mit und vom Meer. Wenn ich ein Netz verliere, muss ich es den Behörden melden – und kann ich es nicht selbst bergen, eine Firma dafür engagieren, was sehr teuer ist. Umgekehrt darf „Greenpeace“ Steine ins Meer kippen?

Als wir vor den Stränden von Sylt fuhren, sah ich die Spaziergänger am Strand und dachte an meine Kinder. Im Sommer, wenn wir dicht vor Sankt Peter Ording arbeiten und ich die Leute baden sehe, ist es ein ähnliches Gefühl. Die Leute, denke ich, wissen gar nicht, was wir auf See leisten. Die sehen ja nur den schönen, bunten Kutter. Übermorgen laufen wir wieder in Büsum aus, mit etwas Verspätung. Der Wetterbericht ist nicht gut, Wind mit Beaufort 5-6. Kann mein Kutter „Andrea“ zwar ab, aber ich wollte trotzdem kurz abwarten.

Wir haben ja derzeit nicht gerade eine Glückssträhne.“

Andre Claußen, Jahrgang 1983, ist Kapitän und Eigner des Krabbenkutters Andrea, 17.27 Meter lang, 5.41 Meter breit, mit Heimathafen Friedrichskoog in Dithmarschen. Auf Ankerherz.de erzählt er aus seinem Leben.

Aufgeschrieben von Stefan Kruecken

 

 

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