NORDSEEGOLD, die Kutter Kolumne. Pechsträhne

DIE KUTTER-KOLUMNE VON ANKERHERZ

FOLGE 5: EIN DÖNER ZUM TROST

Von Andre Claußen, Krabbenkutter „Andrea.“

Wir haben derzeit nicht gerade eine Glückssträhne mit unserem Kutter. Nachdem uns in der Woche zuvor ein Brocken das Netz vor Sylt zerrissen hatte, erwischte es uns diesmal in der Nähe von Helgoland. Wieder ein großer Stein. Das Netz war zerfetzt – das kann mein Vater Sönke, der sie zuhause repariert, nur als „Ersatzteillager“ verwenden. Stundenlang waren alle an Bord beschäftigt, ein neues Netz einzubauen, bei schlechtem Wetter. Der Wind wehte und es schaukelte auf unserer kleinen „Andrea“.

Wir sind nach den Arbeiten in den Hafen von Büsum eingelaufen, haben den Fang gelöscht und einen Döner gegessen. Ja, einen Döner, manchmal kann auch ich keine Krabben mehr sehen. Während Sie diesen Text lesen, sind wir wieder draußen, irgendwo auf der Nordsee unterwegs. Die verlorene Zeit aufholen.

Es wird langsam Frühling, es wird wärmer, und für uns wird es mit jeder Woche, die verstreicht, einfacher. Die Krabben sind derzeit weit draußen auf See, in Wassertiefen von zwanzig bis dreißig Metern. Erwärmt sich die Nordsee, wandern sie an die Küsten. Sie bekommen Nachwuchs, der im Sommer wächst. Am Ende des Sommers ist die Zeit, die alle Krabbenfischer lieben: Dann können wir ganz küstennah in die Priele hineinfahren und die großen, frischen Krabben herausholen.

Kritischer Moment: Grundsee!

Momentan ist es schon recht mühsam, aber das gehört zum Job. Ich schaue übers Internet oft nach, wie der Wind vorhergesagt wird, um nicht überrascht zu werden. Bis drei Meter Welle macht die „Andrea“ mit, dann wird es ernst. Ab Windstärke sieben laufe ich, wenn wir draußen sind, vorsichtshalber einen der nördlichen Häfen an, um Ladung zu löschen, Wyk auf Föhr zum Beispiel oder Dagebüll. Nur nichts riskieren.

Den kritischsten Moment auf See erlebte ich zusammen mit meinem Vater auf seinem Kutter „Kormoran“. Ein Schlechtwettergebiet hatte uns überrascht, der Wind kam mit acht Stärken, in Böen neun, die Strömung war stark. Kein schönes Gefühl, und wir mussten das Schiff gegen die Wellen drehen. Das dauert ein wenig, und in genau dieser kritischen Phase, wenn das Schiff quer zur See liegt und den Wellen ausgeliefert ist, erwischte uns eine gefährliche „Grundsee“ – eine besonders große Welle. Die „Kormoran“ lag fast komplett auf der Seite und das Wasser lief nur ganz langsam ab. Hätte sich eine zweite Grundsee aufgebaut – ich glaube nicht, dass sich der Kutter wieder aufgerichtet hätte.

Das Ereignis hatte aber etwas Gutes gehabt. Es hat sich bei mir eingeprägt. Ich behaupte, dass ich seither noch umsichtiger bin.

Andre Claußen, Jahrgang 1983, ist Kapitän und Eigner des Krabbenkutters Andrea, 17.27 Meter lang, 5.41 Meter breit, mit Heimathafen Friedrichskoog in Dithmarschen. Auf Ankerherz.de erzählt er aus seinem Leben.

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