NORDSEEGOLD, die Kutter Kolumne. Aberglaube.

DIE KUTTER-KOLUMNE VON ANKERHERZ

FOLGE 4: ABERGLAUBE.

 Von Andre Claußen, Krabbenkutter „Andrea.“

Wegen des Sturms, der gerade über den Norden zieht, haben wir auch an Karfreitag gefischt. Das schlechte Wetter war angekündigt worden, und für uns hieß das, vor den Feiertagen noch einen Fang zu machen. Wer Fischer ist, muss fleißig sein. Ostersamstag haben wir dann die Krabben gelöscht. Alles ging gut bei dieser Reise, nach einer Woche, die alles andere als optimal war.

Östlich von Helgoland hatte ich das Geschirr verloren, weil ich nicht aufgepasst hatte und zu langsam reagierte, als ein Draht riss. Mit einem Anker haben wir dann gesucht – und es Gott sei Dank wiedergefunden. So ein Geschirr kostet mehr als zehntausend Euro. Ich war jedenfalls erleichtert, als wird es aus 18 Metern Tiefe wieder an Bord hievten. Zwei Stunden später war alles repariert und wir konnten weiter arbeiten.

Krabbenkutter Andrea Titel neu Kopie

An den Ostertagen waren wir dann bei unseren Familien. Eine entspannte Zeit. Ich habe gehört, dass die meisten Jünger Jesu Fischer waren. Ich selbst bin Protestant und nicht besonders gläubig, muss ich zugeben. Ich bete, wenn es mir schlecht geht. Wie bestimmt viele andere Menschen auch.

Der Aberglaube

Ausgeprägt ist bei Fischern hingegen der Aberglaube. Montags darf man nicht eine neue Fangsaison beginnen. Fragen Sie mich nicht, warum, aber das bringt Unglück. Die Steerte – also die Enden des Netzes – darf man nie im Hafen zubinden, sondern erst, wenn die offene See erreicht ist. Sonst gibt es einen miesen Fang, und das ist wirklich so.

Einmal wurde ich während meiner Ausbildung zusammen gefaltet, weil ich an Bord ein Lied pfiff. „Das lockt den Sturm an, Junge!“, schnauzte mich der Alte an. Auch war es verboten, nach Feierabend Karten zu spielen. Bringt Pech. Ein anderer Chef, der sehr freundliche Käpt´n des Krabbenkutters „Marlies“, ging sogar so weit, unter dem Steven seines Kutters „Marlies“ eine Schere anzuschweißen. Um dem Teufel damit im Notfall den Schwanz abschneiden zu können.

Im Ernst, kein Seemannsgarn: Da hing eine Schere!

Andre Claußen, Jahrgang 1983, ist Kapitän und Eigner des Krabbenkutters Andrea, 17.27 Meter lang, 5.41 Meter breit, mit Heimathafen Friedrichskoog in Dithmarschen. Auf Ankerherz.de erzählt er aus seinem Leben.

Aufgeschrieben von Stefan Kruecken

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