KAPITÄN SCHWANDT: das Grauen namens Oktoberfest

Als Hamburger habe ich die Bayern nie verstanden und ich mag sie auch nicht besonders. Das Oktoberfest macht es nicht besser. Als junger Matrose war ich Besäufnissen nicht abgeneigt – aber wir hatten nach der harten Arbeit auf See wenigstens einen Grund dazu! Was sich nun auf der „Wies´n“ im Namen des Pseudo-Brauchtums abspielt, gefällt mir nicht. Touristen aus Australien, die sich auf dem „Kotzhügel“ die letzten Maß durch den Kopf gehen lassen und betrunkenen Frauen in die Dirndl fotografieren. Ganz toll.

Noch weniger verstehe ich, dass diese „Oktoberfeste“ nun auch bei uns im Norden besoffen werden. Oder Karneval gefeiert wird – bei uns an der Elbe! Ich kann nur sagen: Die Narren sind los. In Pinneberg, habe ich gehört, gibt es ein Weinfest. Wegen der formidablen Südhanglage?

Shanty für die Lederhose

Ich mache einen Vorschlag: Wie wäre es mit dem Hafengeburtstag an der Isar? Wir ziehen den Bajuwaren Finkenwerder Fischerhemden über, verpassen ihnen Elbsegler und lassen Shantychöre grausige Seemannslieder auf Platt grölen (ein bisschen Rache fürs Jodeln muss sein). Klingt bescheuert? Warten wir mal ab, wie lange es dauert, bis der erste Geschäftemacher auf diese Idee kommt! Und die ersten Trottel hinlaufen, denn so lange es etwas zu besaufen gibt, werden sie anstehen. Schon unsere Vorfahren, die Primaten, freuten sich über gegorene Früchte (eine Art prähistorisches „Mon Cherie“), die alten Griechen installierten extra einen Gott des Weines und die Germanen brauten Met, um sich anschließend vehement um die Weiber zu prügeln.

Ganz im Ernst aber finde ich, dass der laxe Umgang mit Alkohol auf andere Rauschmittel übertragen werden sollte. Gebt alle Drogen frei! Reich werden mit dem Handel nur die Verbrecher. 1002 Menschen starben in Deutschland letztes Jahr an harten Drogen, aber mehr als 17.000 am Alkohol. Es hätte so viele Vorteile, alle Rauschmittel zu legalisieren: Die Beschaffungskriminalität ginge zurück, die Zahl der Toten sänke, weil der Stoff besser würde und Jugendlichen fehlte der Reiz des Verbotenen. Jeder ist für sich und sein Leben selbst verantwortlich. Wer saufen will, der säuft. Wer Drogen verlangt, nimmt Drogen! Und wer aufs Oktoberfest in Pinneberg wankt, hat mein uneingeschränktes Mitleid.

 

Jürgen Schwandt, Jahrgang 1936, wuchs in Sankt Georg auf. Er fuhr jahrzehntelang zur See und wechselte dann zum Wasserzoll. Schwandt lebt in Hamburg.

 

1 comment

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Peter on Okt 06 2014

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