PHIL HARRIS – der härteste Captain Alaskas

Der Wind brüllt nun mit elf Stärken aus Norden und baut Wellen auf, die wie mehrgeschossige Häuser über das Meer schieben. Captain Phil Harris starrt nach vorne, wo Natriumdampflampen am Bug einen Ausschnitt des Infernos ausleuchten. Schnee fliegt waagerecht am Brückenfenster vorbei. Dreht Harris seinem Stuhl nach achtern, sieht er, wie seine Crew dabei ist, die letzten Fangkörbe vom Meeresgrund zu holen. Darum sind sie hier, Königskrabben zu fangen, riesige Viecher, die aussehen wie Meeresgetier auf Anabolika und für die Feinschmecker in aller Welt viel Geld bezahlen. Harris hält ein Sprechgerät in der Hand, um seine Männer über die Decklautsprecher vor einem besonders großen Brecher zu warnen, der sie über Bord spülen könnte.

Ein ziemlich normaler Arbeitstag.

Die Luft auf der Brücke der „Cornelia Marie“, dem Boot des Captains, ist heiß, weil er die Heizung immer voll aufdreht. Und sie ist neblig vom Rauch ungezählter Zigaretten. Mindestens fünf Schachteln, manchmal auch sieben raucht Harris an einem Arbeitstag, der bestimmt wird vom Rhythmus, in dem er seine Fangkörbe aussetzt. Mehr als 50 Stunden ist er nun auf der Brücke. Ohne Pause. Auch das ist normal. Einige Männer, die draußen an Deck schuften, die 400 Kilo schweren Stahlkörbe einfangen, hochwuchten und auslehren, taumeln vor Erschöpfung und Müdigkeit durch den Sturm. Doch darauf kann der Captain keine Rücksicht nehmen. Wenn der Fang gut ist, können sie in wenigen Wochen mehrere Hunderttausend Dollar mit nach Hause nehmen. Darum sind sie hier. Ein moderner Goldrausch. Wer auf der Beringsee vor Alaska überleben will, muss eine gewisse Härte mitbringen.

Seit einigen Jahren ist Phil Harris nicht nur Captain, Fischer, sondern auch Fernseh-Star. Seit der „Discovery Channel“ das Leben am sturmumtosten Ende der Welt dokumentiert und TV-Crews auf den Trawlern mitfahren. Ein Millionen-Erfolg in mehr als 120 Ländern, der die Kapitäne zu Stars gemacht hat. „Von allen Sendungen, die Wirklichkeit abbilden, ist „Deadliest Catch“ die wahrhaftigste. Menschen kommen tatsächlich um dabei“, schrieb die New York Times. Rein statistisch gibt es keinen gefährlicheren Beruf; die Verletzungsquote liegt bei knapp 100 Prozent.

Verglichen damit haben selbst die Holzfäller in den Wäldern von Alaska,  einen Job wie in einem Streichelzoo. Und von allen Kapitänen, die in „Deadliest Catch“ mitspielen, gilt Phil Harris als der Härteste. Als der Verrückteste, Wildeste, als derjenige, der die Lunte immer an beiden Enden anzündet. Er ist das, was er sich auf den mächtigen Oberarm tätowieren ließ: ein Pirat, ein Outlaw.

Phil Harris ist so etwas wie der Krabbenrocker der Beringsee.

In unserer Edition “Campfire” erzählen seine Söhne Josh und Jake, selbst Fischer auf der Beringsee, die Geschichte ihres Vaters. Es ist die Sage eines unbeugsamen Kapitäns und seiner Dämonen. Eine Geschichte von der rauen Kraft der See und der Kraft der Vaterliebe.

 

CAPTAIN PHIL HARRIS. Fischer, Outlaw, Fernseh-Held – ein wildes Leben, erzählt von seinen Söhnen. Das Buch gibt es überall im Buchhandel und hier bei uns im Shop.

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