Plastik im Meer: neue Metastudie zeigt dramatisches Ausmaß

Plastik im Meer ist ein Problem, unter dem inzwischen 90 Prozent der Arten in den Ozeanen leiden. Dies ist eines der alarmierenden Ergebnisse einer Metastudie, die die Umweltschutzorganisation WWF und das Alfred-Wegener-Institut (AWI) nun vorstellten.

Unsere letzte persönliche Erfahrung mit Plastik im Meer ist erst wenige Tage her. Als wir in Sylt mit den Kindern an den Strand gingen nach Sturm Nadia, nahmen wir einen großen Beutel mit. Um Müll aufzusammeln. Es ging deprimierend schnell: Schon nach wenigen Minuten war der Beutel voll.

Einwegfeuerzeuge, Teile von Fischernetzen, Tüten, Plastikflaschen. Eine große, schwere Plastikkiste bekamen wir nicht weggetragen, ebenso wenig wie ein Stück Plane. Dies ist der Unrat, den man sieht. Vieles bleibt verborgen. Es gibt keinen Ort auf diesem Planeten, von den einsamsten Inseln bis in die Tiefsee, an dem es keinen Plastikunrat gibt. Plastikmüll zersetzt sich zu Mikro- und Nanoplastik und breitet sich über die Nahrungskette aus.

„Die Durchdringung des Ozeans mit Plastik ist unumkehrbar. Einmal im Meer verteilt, lässt sich Kunststoffmüll kaum zurückholen. Er zerfällt stetig, sodass die Konzentration von Mikro- und Nanoplastik noch jahrzehntelang ansteigen wird. Die Ursachen der Plastikverschmutzung im Keim zu bekämpfen, ist viel effektiver als die Folgen im Nachhinein zu beseitigen. Wenn Regierungen, Industrie und Gesellschaft jetzt geschlossen handeln, können sie die Plastikkrise noch eindämmen“, sagt Heike Vesper, Meeresbiologin beim WWF.

Metastudie zum Plastik im Meer

Eine neue Metastudie, deren Ergebnis die Umweltschutzorganisation WWF und das Alfred-Wegener-Institut (AWI) für Polar- und Meeresforschung in Bremerhaven nun vorgestellt haben, belegt das Ausmaß der Verschmutzung. Dafür wertete das AWI 2.592 Studien zur Plastikverschmutzung der Ozeane aus. Die Ergebnisse werden zusammengetragen im AWI-Projekt „Litterbase – Müll im Meer“, der den globalen Wissensstand zum Thema Plastikbedrohung der Meere zusammenfasst.

Es ist niederschmetternd.

„Die Plastikkrise in den Meeren ist sehr ernst. Plastik ist so allgegenwärtig, dass fast jede Art im Meer damit konfrontiert ist – von Bakterien über Wirbellose, Fische, Robben oder Wale“, sagt Melanie Bergmann, eine der Autorinnen der Studie.

Die Forscher beobachten keine Welle, sondern einen regelrechten Tsunami von Plastik. Allein von 2003 bis 2016 wurde so viel Plastik produziert wie in sechs Jahrzehnten zuvor. Zwischen 19 und 23 Millionen Tonnen Plastikmüll landen pro Jahr in Gewässern.

Das entspricht zwei Lkw-Ladungen pro Minute.

„Selbst wenn wir die Plastikverschmutzung heute stoppen, würde sich die Menge an Mikroplastik in den nächsten drei Jahrzehnten mehr als verdoppeln“, sagt Heike Vesper vom WWF. Manche Szenarien gehen gar von einem 50-fachen Anstieg bis zum Jahr 2100 aus, mit katastrophalen Folgen.

Lummen in Helgoland

Knapp 90 Prozent der knapp 300 untersuchten Arten leiden bereits unter den Folgen von Plastik im Meer. „Schildkröten verfangen sich in den Plastikhalterungen von Bier-Sixpacks, Delfine geraten in Fischernetze – und ersticken, weil sie zum Atmen nicht mehr an die Meeresoberfläche kommen“, sagt Vesper. Auch Verschlucken ist ein Problem. Die WWF-Expertin berichtet von einem Walhai in Thailand, der verendete, nachdem ein Strohhalm in seinem Magen festsaß.

Wer besichtigen will, welche Folgen Plastik im Meer hat, sieht aber auch vor unserer Haustür Beispiele. Traurig ist etwa der Lummenfelsen auf Helgoland. Viele Vögel brüten inwischen auf Plastikunrat wie Fetzen aus Fischernetzen, die sie in der Nordsee finden.

 

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