Riesenparkplatz vor Helgoland – mehr als 40 Frachter auf Reede

Die Nordsee vor Helgoland gleicht in diesen Tagen einem Riesenparkplatz. AIS-Daten zeigen, dass mehr als 40 Frachter zwischen dem Roten Felsen und den ostfriesischen Inseln auf Reede liegen. Sie warten auf die Einfahrt in die Häfen von Hamburg und Bremerhaven. Die Probleme in den internationalen Lieferketten sind längst im Norden angekommen.

Mich erinnert der Screenshot von Marinetraffic an eine Fährpassage von Helgoland nach Cuxhaven während einer Hochphase der Corona-Lockdowns. Damals blockierte obendrein die „Ever Given“ den Suezkanal – und Dutzende Frachtschiffe lagen vor dem Roten Felsen auf Tiefwasser-Reede. Jetzt ist es wieder soweit: Großraumparkplatz Helgoland. Für die Crews bedeutet dies eine Geduldsprobe. Für die Hafenarbeiter in den Terminals von Hamburg und Bremerhaven heißt es: jede Menge Zusatzarbeit steht bevor.

Riesenparkplatz vor Helgoland

Unter den großen Schiffen, die derzeit warten müssen, sind u.a. die Brussel Express (368 Meter), die One Cygnus (364 Meter) und große Massengutfrachter wie die Sea Triumph (291 Meter). Alleine acht der großen Schiffe wollen nach Informationen des NDR zum Hamburger Buchardkai, einem der großen Terminals der Hansestadt.

 

Wie angespannt die Lage inzwischen  ist, zeigt ein Brief der Geschäftsführung des Terminals an die Belegschaft, der dem NDR vorliegt. Darin beklagen sie eine beklagen eine „äußerst angespannte betriebliche Lage“ und bitten die Mitarbeiter darum, Überstunden zu leisten und auf freie Tage zu verzichten. Knapp 800 Schichten werden im Monat zusätzlich benötigt, um den „Kreislauf an wartenden Schiffen zu durchbrechen“ und eine regelrechte „Containerlawine“ zu meistern.

Stimmung im Hafen gereizt

Der Betriebsrat reagierte bislang vorsichtig auf die Bitte und ein Angebot für wirtschaftliche Entschädigung, denn die Stimmung im Hafen ist schlecht. Terminalbetreiber wollen Arbeitsplätze abbauen und die Automatisierung vorantreiben. Und nun sollen die Hafenarbeiter Zusatzschichten schieben?

 

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Während die Hafenmanager dennoch Hoffnung verbreiten, dass sich der Stau vor Helgoland in den nächsten Tagen auflösen könnte, sind andere Experten skeptisch. „Die Situation wird sich in den nächsten Wochen drastisch verschärfen“, prophezeit Jan Ninnemann, Professor an der Hamburg School of Business Administration, auf Tagesschau.de. Er verweist auf den Stau vor Shanghai, dem größten Hafen der Welt. Wegen eines Lockdowns gibt es dort gewaltige Probleme. (Siehe Bericht im Ankerherz Blog).  Shanghai ist der wichtigste Handelshafen für Hamburg. Schon bald, sagt Ninnemann, würden viele Frachter auf einmal Richtung Europa laufen – und den Stau vor Helgoland vergrößern.

Dollarscheine durch den Schornstein

Der Stau sorgt nicht nur für ein Spiel der Geduld auf See und Zusatzarbeit im Hafen, sondern kostet auch Geld. Ein Frachter verursacht Betriebskosten von knapp 50.000 US-Dollar am Tag. „Man kann förmlich sehen, wie die Dollarscheine durch den Schornstein fliegen“, sagt Ninnemann auf Tagesschau.de. Für die Reeder ist dies dennoch kein großes Problem, denn sie haben die Frachtkosten drastisch angehoben und verbuchen Milliardengewinne. Terminalbetreiber machen sich ebenfalls wenig Sorgen. Sie rechnen hohe Zusatzgebühren für Lagerung ab.

Wer also bezahlt die gestiegenen Kosten? Unternehmer und letzten Endes die Verbraucher. Der Riesenstau von Helgoland sorgt also auch dafür, dass die Inflation weiter steigt…

 

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