Rügen: Greenpeace versenkt Granitblöcke im Schutzgebiet Adlergrund

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace hat in der Nähe von Rügen mehr als 50 große Granitblöcke auf dem Meeresboden versenkt. Die „steinerne Barriere für echten Meeresschutz“ im Schutzgebiet Adlergrund soll den legalen Fischfang stoppen. An der Aktion gibt es Kritik – und die Behörden prüfen nun die Rechtmäßigkeit.

Bis zu 750 Kilo schwer sind die Natursteine, die Fischer daran hindern sollen, den Meeresboden mit Grundschleppnetzen zu „durchpflügen“. Dies ist bislang nicht verboten – auch nicht im Meeresschutzgebiet Adlergrund etwa 40 Kilometer östlich von Rügen. Von Bord ihres Schiffes „Beluga II“ kippten die Aktivisten die Felsen in die Ostsee. Nach Angaben der Umweltschützer wurden bis Montagmittag rund 50 Felsblöcke versenkt. Mit 150 bis 200 Steinbrocken könne das Schutzgebiet Adlergrund vor der Grundschleppnetzfischerei geschützt werden.

„Zur Rettung der Meere brauchen wir echte Schutzgebiete frei von menschlicher Zerstörung“, sagte Greenpeace-Meeresbiologe Thilo Maack. Er forderte die Bundesregierung auf, Fischerei und Ausbeutung von Rohstoffen in den Schutzgebieten der Ostsee zu verbieten: „Nur so lassen sich Arten und Lebensräume schützen.“

Granitblöcke im Schutzgebiet Adlergrund

Nach Angaben von Greenpeace hat Deutschland bereits 2007 knapp die Hälfte seiner Meeresgebiete als Schutzzonen ausgewiesen. Pläne für ein Verbot von Fischerei im Schutzgebiet Adlergrund, die den Boden zerstört, lägen längst bereit. Doch es mangele am politischen Willen, diese Pläne auch in die Tat umzusetzen, kritisiert Greenpeace. Der Adlergrund östlich von Rügen sei besonders wertvoll. Er beherberge wertvolle Steinriffe und Miesmuschelbänke, Lebensraum für viele Arten.

 

Kritik an den Felsen kommt von den Fischereiverbänden. Philipp Bruns, Geschäftsführer der Sassnitzer Kutter- und Küstenfisch GmbH, sprach im NDR 1 Radio MV von einer „überzogenen Aktion“. Von Sassnitz aus sei seit zehn Jahren kein Fischer mehr mit Grundschleppnetzen über den Adlergrund gefahren. Aus Sicht des Fischereiverbandes Mecklenburg-Vorpommern ist die Aktion schlicht „illegal“ und bedeute „Selbstjustiz.“

Scharfe Kritik von Fischern

Auch der fischereipolitische Sprecher der CDU-Fraktion im Landtag von Mecklenburg-Vorpommern, Burkhard Lenz, verurteilte die Greenpeace-Initiative: „Die Fischer in unserem Land haben durch EU-Verordnungen eigentlich schon genug Sorgen“, sagte er. „Jetzt werden einem kompletten Wirtschaftszweig in einer strukturschwächeren Region auch noch durch PR-Aktionen fragwürdiger Umweltschützer Steine in den Weg gelegt.“

Das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt des Bundes in Stralsund prüft momentan die Rechtmäßigkeit der Greenpeace-Aktion. Es scheint unklar zu sein, welche Behörde für das Seegebiet zuständig ist. Eine Sprecherin nannte die Situation „komplex“. Die Prüfung könne sich daher noch etwas hinziehen. Greenpeace hat angekündigt, die Aktivitäten weiter laufen zu lassen. Die Aktion soll noch mehrere Tage dauern.

Update: 28.Juli, 16 Uhr +++

Das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie hat der Umweltorganisation Greenpeace verboten, weiter Granitsteine im Meeresschutzgebiet Adlergrund östlich von Rügen zu versenken.  Es handele sich um eine „Verschmutzung“, sagte eine Sprecherin der Behörde der Deutschen Presse-Agentur. Damit verstoße die Umweltorganisation gegen das „Hohe-See-Einbringungsgesetz“, welches vorschreibt, dass keine Abfälle und andere Gegenstände oder Stoffe ins Meer eingebracht werden dürfen.

Die Aktivisten setzen ihre Arbeit trotzdem weiter fort. 

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