Russisches Staats-TV droht mit atomaren Tsunami über Großbritannien

Ein atomarer Tsunami nach Zündung einer unterseeischen Atombombe vor Irland und Schottland. Eine fünfhundert Meter hohe Flutwelle mit hochgradig radioaktivem Meereswasser, die über die Britischen Inseln rollt. Diese Drohkulisse lief gestern zur besten Sendezeit im russischen Staatsfernsehen – und beschäftigt heute Englands Medien.

Dimitri Kisseljow einen „Journalisten“ zu nennen, als den ihn ein Wikipedia Beitrag ausweist, wäre eine Beleidigung für alle Journalisten. Kisseljow ist Generaldirektor der staatlichen Nachrichtenagentur Rossija Sewodnja, zu der das Nachrichtenportal Sputnik gehört. Bereits seit 2014 steht er auf der Sanktionsliste der EU. Er ist einer der wichtigsten Propagandisten Putins, als dessen Sprachrohr er auch gilt.

Während im deutschen Fernsehen am Sonntagabend der „Tatort“ aus Franken lief, präsentierte Kisseljow seinen Zuschauern im russischen Staatsfernsehen seine finstere Drohung. Offenkundig wütend über die britische Unterstützung für die Ukraine, präsentierte er verschiedene Szenarien für die „kleine Insel“.

Atomarer Tsunami über Großbritannien

Neben der Möglichkeit eines direkten Atomschlags auf London, Paris und Berlin brachte er eine besonders entzückende Variante ins Spiel. Die Zündung einer Unerwasserdrohne, bestückt mit mehreren Nuklearsprengköpfen. Diese könnten einen 500 Meter hohen Tsunami auslösen, der dann über Irland und die Britischen Inseln rollt. (HIER liest Du einen Beitrag über unseren Traumort am Meer).

Vor einer Grafik führte Kisseljow aus: „Diese Flutwelle bringt eine enorme Radioaktivität mit. Was noch immer übrig ist, wird zur radioaktiven Wüste, unbrauchbar für was auch immer. Wie gefällt ihnen die Aussicht?“ Und dann direkt an einen imaginären Premierminister gewandt: „Ihre Insel ist so klein, dass eine unserer Sarmat Raketen ausreichte, um sie ein und für alle mal untergehen zu lassen. Ein einziger Start, Boris, und es gibt kein England mehr.“

Hat was der schlechten Persiflage eines James Bond-Bösewichts, ist aber echt.

Empörung über Außenminister Lawrow

Diese Drohung mit Nuklearwaffen ist Tiefpunkt einer ganzen Reihe von Drohungen, die das russische Staatsfernsehen in den letzten Tagen sendet. Immer dann, wenn die Truppen in der Ukraine nicht voran kommen, soll die Aussicht auf nukleare Endzeit anscheinend jemanden beeindrucken. Sobald es auf dem Schlachtfeld nicht läuft, möchten die Armumdreher im Kreml zumindest auf andere Weise Angst und Schrecken verbreiten. Großbritanniens Medien reagierten mit einer Mischung aus Ungläubigkeit und keinerlei Reaktion. Das spricht ja auch für sich.

Erratische Beiträge sind nicht nur im russischen Fernsehen zu sehen. Russlands Außenminister Lawrow wiederholte am Sonntagabend im italienischen Fernsehsender Rete4 nicht nur die abwegige Behauptung, in der Ukraine seien „Nazis“ am Werk. Er leistete sich sogar diese Aussage „Wie kann es eine Nazifizierung geben, wenn er (der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj, d. Red.) Jude ist? Ich kann mich irren. Aber Adolf Hitler hatte auch jüdisches Blut. Das heißt überhaupt nichts. Das weise jüdische Volk sagt, dass die eifrigsten Antisemiten in der Regel Juden sind“ fabulierte Lawrow wörtlich.

„Absurd, wahnhaft, gefährlich, verachtenswert“

Die Regierung in Jerusalem verlangte am Montag wütend eine Entschuldigung und bestellte den russischen Botschafter ein. Der Leiter der israelischen Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem, Dani Dajan, nannte Lawrows Äußerunge, Zitat: „absurd, wahnhaft, gefährlich und verachtenswert“. Seitens der deutschen Bundesregierung war aus dieser Reihenfolge nur das Wort „absurd“ zu hören.

Den Rest dachte man sich vermutlich. 

 

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