Seemannsdiakon Sturm: Die Rückkehr des Shanty

Die Rückkehr des Shanty. Jeden Sonntag schreibt Fiete Sturm, Seemannsdiakon aus Hamburg-Altona, eine Kolumne für den Ankerherz Blog. In dieser Folge geht es um das unerwartete Comeback eines alten Seemannsliedes…

Moin!

Wie macht ihr euch die Lockdown-Zeit etwas erträglicher? Sport? Kochen? Serien und Filme schauen? Oder lesen, arbeiten, schreiben, telefonieren, malen, ausruhen, basteln, schneidern, spielen?

Oder gehört ihr zu den Menschen, die unter den Belastungen des Virus gar keine Zeit zum Müßiggang haben? Arbeitet ihr im Krankhaus oder einer Pflegeeinrichtungen? Kämpft ihr um den Erhalt eures Betriebes oder haltet ihr wichtige und relevante Bereiche unseres Lebens am Laufen?

So oder so. Es gibt bestimmt viele Möglichkeiten diese ungewöhnlichen Zeiten mehr oder weniger sinnvoll zu nutzen. Möglichkeiten auch, die damit verbundenen Unsicherheiten und Sorgen aufzuarbeiten oder vielleicht auch beiseite zu schieben. Ganz nach eigener Fasson.

Die Rückkehr des Shanty

Seeleute leiden besonders unter der Pandemie. Mehr als 400.000 sind gestrandet (worüber hier im Blog schon viele Male berichtet wurde.) Was viele Menschen im Lockdown erleben, ist für Seeleute nichts Neues: Die lange Trennung von ihren Liebsten. Das Alleinsein, das Wissen um die Ungewissheiten dieses Berufes. Das alles ist Schiffsbesatzungen nicht fremd. Und so haben sich über die Jahrhunderte unterschiedliche Traditionen herausgebildet, mit diesen speziellen Herausforderungen umzugehen.

Musik, vor allem in der Form von Seemannsliedern bzw. Shantys, ist eine dieser Traditionen. Man sang sie schon früh auf den Handels- und Fischfangschiffen, zur Unterstützung und Koordination körperlich anspruchsvoller Arbeiten, die nur in gemeinsamer Kraftanstrengung erledigt werden konnten, wie Anker hieven, Segel setzen, Segel und Netze einholen, Taue durchholen, Aufziehen der Rahen, die Arbeit an Winden und Pumpen, aber auch beim Be- und Entladen der Schiffe.

Lieder gegen die Einsamkeit

Die Einsamkeit auf See, das Bild der niemals endenden Fahrt aber auch der Hoffnung auf ein Ende der Arbeit und schlussendlich der Rückkehr in die Heimat sind wiederkehrende Motive und damit auch eine naheliegende Analogie auf das Leben im Lockdown.

In dieser Woche las ich eine Geschichte von Ankerherz über die Rückkehr des Shanty. Ausgelöst wurde sie von einem jungen Postboten in Schottland, der ein Lied auf seiner Tik-Tok-Seite hochlud. Daraus wurde ein globaler Trend: Millionen Menschen singen nun den „Wellerman“. Seemannslieder gehören in diesen Tagen zu den meistgestreamten Liedern. Am meisten aber gefällt mir die TikTok-Version. Die ursprüngliche Version wurde von zahlreichen anderen Nutzern interpretiert oder getanzt. Damit ergibt sich quasi digital die gleiche Dynamik wie bei manchen traditionellen Sea Shantys, bei denen die Mannschaft in den Gesang eines Vorsingers einstimmt.

Ich mag den Shanty

Mich persönlich hat das sogar so sehr angesprochen, dass ich mir eines der vielen Videos beim Schreiben dieser Kolumne auf Endlosschleife gelegt habe. Nun haue ich die Worte quasi im Takt der Musik in die Tastatur.

Solltet ihr von diesem schönen Trend bisher noch nichts mitbekommen haben, hoffe ich euch damit eine kleine Freude gemacht zu haben. Etwas Licht am Horizont. Was macht diese Musik mit euch? Wohin schweifen eure Gedanken? Und welche Wege habt ihr gefunden, mit der Pandemie umzugehen? Schreibt mir gerne etwas dazu in die Kommentare auf der Facebook-Seite von Ankerherz! Selbst wenn ich nicht immer antworte, so lese ich doch neugierig mit!

Aus dem Hamburger Hafen,

euer Fiete Sturm

 

Hinweis: Auf Radio Ankerherz läuft jeden Donnerstag ab 21 Uhr eine Shanty- Sendung. „Shantyman“, drei Stunden bis Mitternacht. Unter anderem mit dem „Wellerman“. Unser Sender ist weltweit im Stream zu empfangen.

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Schottischer Pöstler sorgt für Comeback alter Seemannslieder – Today Current Affairs on Feb 10 2021