SEENOTRETTER IM EINSATZ: ein Holzfloß in Seenot

Zimmerleute auf der Walz gelten als unerschrockene Gesellen, die wenig aus der Ruhe bringt. Wenn man allerdings das Gefährt betrachtet, mit dem drei Handwerker quer über die Ostsee zur Kieler Woche unterwegs waren, dann sollten einige doch das Konzept überprüfen. Zumindest, was einen Grundrespekt vor dem Meer angeht. Von Rieseby aus wollten sie mit dem selbstgebastelten Floß, an den ein Außenborder angehängt war, über die Schlei zur Kieler Woche fahren. Bei Windstärke 6 war die Reise dann zu Ende – und die Seenotretter mussten ran.

Zimmerleute in Seenot

Die Mitarbeiter des Tonnenlegers „Kormoran“ des Wasser- und Schifffahrtsamtes Lübeck hatten das Floß namens „MS Tullamore“ gegen elf Uhr vormittags gesichtet und in böser Vorahnung die Seenotretter alarmiert. Bei ruhiger See und schwachem Wind kamen die Zimmerleute aber einigermaßen voran und lehnten Hilfe zunächst ab. Die Crews der „Nis Randers“ und der „Eckernförde“ blieben trotzdem in der Nähe, um im Ernstfall gleich eingreifen zu können. Eine Entscheidung, die den Handwerkern auf dem Holzweg eine extrem unangenehme Situation ersparte.

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Der Ernstfall kam nämlich, keine halbe Stunde später.

Ein Gewitter zog auf, der Wind wurde stärker, und zwei Seemeilen nordwestlich des Leuchtturms Bülk war für die „MS Tullamore“ Schluss. Beaufort Sechs.  „Das Floß drohte auf den Strand gespült zu werden und zu zerbrechen“, beschreibt Sven Detlefsen, Vormann der NIS RANDERS. Seenotretter brachten die Zimmerleute nach Kiel-Schilksee, der Eigenbau wurde an Bord des Mehrzweckschiffs „Scharhörn“ gehievt. Bleibt zu hoffen, dass sie aus der Geschichte die richtigen Schlüsse ziehen.

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