Stefans Geschichten vom Meer: Hamburgs bester Backfisch

Hamburgs bester Backfisch. Jeden Samstag erscheint eine „Geschichte vom Meer“ von Ankerherz Verlagsleiter Stefan Kruecken in der Hamburger Morgenpost. Diesmal geht es um eine Entdeckungstour in der Coronazeit: England und Kap Hoorn in Hamburg. Viel Spaß!

Eigentlich wollten wir in den Sommerferien mit den Kindern in den Norden Englands. Die Fähre und ein Häuschen in einem Fischerhafen nahe Newcastle waren lange gebucht. Wir freuten uns den auf Strand, auf Kutter und Pubs und Fish & Chips. Doch das große Wort der Corona-Pandemie ist eben „eigentlich“.

Aus der Reise wurde nix.

Nun entdecken wir eben Hamburg, und das hat auch was: Finkenwerder statt englischem Fischerdorf, Elbstrand statt Nordsee, Burg auf dem Falkenberg statt Bamburgh Castle und beim Thema „Fish & Chips“ fiel mir ein Ort wieder ein, den ich ewig nicht mehr besucht hatte: die „Veddeler Fischgaststätte“.

Hamburgs bester Backfisch

Wer das kleine Restaurant noch nicht kennt, hat was verpasst. Von außen wirkt es zwar eher wie eine Fläche für Graffiti-Sprüher, die noch üben müssen. Innen ist es wie ein Flug mit der Zeitmaschine in die 1950er Jahre, und auf der Leuchtreklame für Astra steht eine SPD-Kaffee mit dem Konterfei von Willy Brandt. Die Speisekarte ist angeblich die kleinste in Hamburg, aber was drauf steht, reicht völlig auss: Backfisch mit hausgemachtem Kartoffel- oder Gurkensalat.

 

Seit 88 Jahren gibt es die „Veddeler Fischgaststätte“, und man sollte sie unter Denkmalschutz stellen. Als es vor einigen Monaten vor der Haustür eine Dauerbaustelle gab, drohte der Tradition das wirtschaftliche Aus. Die Solidarität der Gäste rettete das Restaurant, betrieben von echten Hamburger Deerns. Auch an diesem Mittag in Coronazeiten war jeder Tisch, der genutzt werden darf, besetzt.

Der Maler der See

Von der Veddel aus fuhren wir weiter in die Hafencity. Das „Internationale Maritime Museum“ ist eines der schönsten im Norden und wirkt besonders auf Kinder wie eine neunstöckige Schatzkiste. So viele Exponate entdeckt man auch dann, wenn man meint, nach mehreren Besuchen alles gesehen zu haben.

Aktuell gibt es auf Deck 2 eine Sonderausstellung für Johannes Holst (1880 – 1965),  den „Maler des Meeres“ oder das „Genie aus Altenwerder“, wie er auch genannt wird. Seine Vorfahren waren Fischer und Schiffer, und vielleicht liegt es auch daran, dass er wie kaum ein anderer vermochte, die See zu malen.

Wellen und Gischt scheinen in seinen Gemälden zu leuchten. Es ist unglaublich, wie präzise jemand mit Pinsel und Farbe die kleinsten Details festhalten kann. Neben den Windjammern (darunter die Peking, die bald zurück nach Hamburg kommt) und den Klippen von Helgoland beeindruckt mich ein Gemälde der entmasteten Pinnas vor Kap Hoorn. Das Schiff der Hamburger Reederei Laeisz sank im April 1929 in einem schweren Sturm. Holst malte nach einem historischen Foto. Sein Bild zeigt das schwer beschädigte Schiff; nur noch ein Kreuzuntermast mit gesetztem Bagien- und Kreuzstagsegel stehen. Schon bald wird es untergehen, doch die Mannschaft hat überlebt. Sie wurde von einem chilenischen Passagierdampfer gerettet.

Das Gemälde zeigt die Wut und Majestät des Ozeans. Es ist ein Meisterwerk. Wer ein Herz für die See hat, sollte sich das ansehen.

 

Stefan Kruecken, Jahrgang 1975, leitet mit seiner Frau Julia den von ihnen gegründeten Ankerherz Verlag. Vorher war er Polizeireporter für die Chicago Tribune und arbeitete als Reporter für Zeitschriften wie max, Stern und GQ von Uganda bis Grönland. Vor kurzem erschien sein neues Buch „Kapitäne!“ Die Sonderausstellung „Johannes Holst“ ist noch bis zum 16. August geöffnet.

 

 

 

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