Stefans Geschichten vom Meer: Helgoland und ein kleiner Frieden

Helgoland und ein kleiner Frieden. In Stefans Geschichte vom Meer geht es diesmal um eine Erinnerung – und eine besondere Reise auf Deutschlands einzige Hochseeinsel Helgoland.

Im Facebook gibt es eine Funktion, die anzeigt, was an diesem Tag vor einem Jahr passierte. Normalerweise klicke ich das weg, doch gestern, bevor ich diese Geschichte schrieb, war ich dankbar. Für die Erinnerung an eine Reise nach Helgoland im Mai 2021.

Es war eine der schönsten und gleichzeitig seltsamsten Touren auf den Roten Felsen. Seit knapp 200 Tagen war die Insel zu diesem Zeitpunkt im Corona-Lockdown. Ich fuhr hin, um nach unserem kleinen Laden zu sehen und zu überlegen, wie es weitergehen konnte.

Helgoland mit Sondergenehmigung

Noch immer brauchte ich wie alle auswärtigen Besucher eine Sondergenehmigung, um Helgoland betreten zu dürfen. Ich hatte also mehrere Seiten Behördenpapier dabei. Am Terminal in Cuxhaven stand ein Schnelltest in einem Container an und an Bord der Fähre war der Boden provisorisch mit Pfeilen beklebt, damit es unter den wenigen Passagieren möglichst wenig Kontakt gab. Die Maskenpflicht galt selbst draußen an der Reling. Erst ein Jahr ist das her, aber es scheint so weit weg.

Ich habe Helgoland nie so schön erlebt wie in diesen drei Tagen. Keine Touristen zu sehen, Einsamkeit in der Nordsee, und dies nicht im Winter, während der kalten und stürmischen Zeit, sondern im Frühsommer. Deutschlands einzige Hochseeinsel wie in einer Zeitkapsel.

Klippen wie in Irland

Am Nordstrand erinnert Helgoland mit den mächtigen Klippen an eine Landschaft in Irland. Ich nahm den Jägerstieg, und gerade, als ich die letzte der 256 Stufen hinter mir hatte, hüllte Seenebel das Oberland ein. Einzelne Sonnenstrahlen brannten durch den Dunst, die Rufe von Lummen und anderen Seevögeln waren zu hören. Die Luft roch herrlich intensiv nach Nordsee. Und kein anderer Tourist war zu sehen, kein Mensch, nirgends. Was für ein Geschenk.

 

 

Für mich waren es die schönsten Stunden der Corona-Zeit. Unser Laden auf dem Roten Felsen war nach dem langen Lockdown nicht zu retten, doch ich war dennoch zuversichtlich, als ich die Fähre zurücknahm. Nicht mehr lange, dann würde sich alles wieder normalisieren, dachte ich. Hoffte ich. Aber heute?

Frieden auf der Nordseeinsel

Ein Jahr später ist die Pandemie noch immer nicht verschwunden, doch dank der Impfungen zumindest unter Kontrolle. Dafür gibt es andere, noch massivere Probleme. Der brutale Überfall Russlands auf die Ukraine greift tief in unser Leben ein. Angst vor Atomkrieg. Sorgen vor Wirtschaftskrise und Inflation. Und statt einer Lösung täglich neue Meldungen russischer Verbrechen.

Nächstes Wochenende steht wieder eine Reise nach Helgoland an. (Wer mitkommen möchte, kann sich HIER anmelden!) Mit einer Ankerherz-Gruppe und einer geflüchteten Familie aus der Ukraine, die wir vor Wochen bei uns aufgenommen haben. Ich möchte Sergej, Anastasia und den Kindern den Roten Felsen zeigen.

In der Hoffnung auf einen kleinen Frieden.

Stefan Kruecken, Jahrgang 1975, leitet den Ankerherz Verlag. Vorher war er Polizeireporter für die Chicago Tribune und arbeitete als Reporter für Zeitschriften wie max, Stern und GQ von Uganda bis Grönland. Zuletzt erschien das Buch „Überleben im Sturm“ über die Retter der RNLI.

Wer mitkommen möchte zur nächsten Reise nach Helgoland, schaue bitte HIER.

 

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