Stefans Geschichten vom Meer: Zukunftsinsel Helgoland

Zukunft Helgoland. Jede Woche schreibt Ankerherz Verlagsleiter Stefan Kruecken eine Geschichte vom Meer, die auch als Kolumne in der Hamburger Morgenpost erscheint. Diesmal geht es um die Wandlung der Insel Helgoland: Vom einstigen Fuselfelsen zur Forschungsinsel mit europaweit einmaligem „Meeresspielplatz“ für Wissenschaftler und Unternehmer. Viel Spaß!

Die Tage sind still auf Helgoland, und es muss seltsam sein, während der Coronakrise auf dem Roten Felsen zu leben. Weil Deutschlands einzige Hochseeinsel über wenige medizinische Möglichkeiten verfügt, hat man sie seit Wochen vom Rest der Welt weitgehend abgeschnitten (siehe unser Blog „Vorsicht Ahoi“). Die Fähre von Cuxhaven versorgt die Insulaner mit Lebensmitteln, doch wer mitfahren will, muss seinen Erstwohnsitz auf der Insel haben oder einen Grund, den die Behörden glauben.

Wo sonst tausende Touristen flanieren, bleiben die Gassen des Inseldorfes leer. Auf dem Oberland, an der Langen Anna, auf der Düne: nur Lummen und Robben sind zu sehen. Es ist so einsam wie sonst im Winter, wenn Stürme über die Nordsee ziehen und Schiffe nicht fahren können. Mit dem Unterschied, dass aktuell die Sonne aus einem weiten nordischen Himmel scheint.

Ein großes Spielplatz in der Deutschen Bucht

Bislang gibt es keinen bestätigten Coronafall auf Helgoland, zur Erleichterung der Insulaner. Diese gefährliche Krankheit zu bekommen, so weit draußen, ist alles andere als eine beruhigende Vorstellung.

Wenige Seemeilen vor der Insel, draußen auf der Nordsee, aber war in dieser Woche einiges los. Wissenschaftler des Testzentrums für maritime Technologien haben ein drei Millionen Quadratmeter großes Areal mit gelben Tonnen abgesteckt. Kein Schiff, kein Kutter, kein Segler darf künftig durchfahren. Sperrzone für ein maritimes Erprobungsfeld, man könnte sagen: Einen riesigen Meeresspielplatz für Wissenschaftler.

Sie probieren hier autonome Unterwasserfahrzeuge aus, die an Offshore-Windkraftanlagen zum Einsatz kommen. Sie experimentieren mit Drohnen, mit denen man die großen Windkraftanlagen in der Nordsee wartet. Sie erproben andere Geräte, die dabei helfen sollen, Meere nachhaltig zu nutzen. Hightech, getestet vor Helgoland: Alle Arten maritimer Robotik können von Forscher und Herstellern bespielt werden. Schon im Juni sollen die ersten Experimente beginnen, trotz der Coronakrise.

Der Bürgermeister der Insel freut sich

Helgolands Bürgermeister Jörg Singer freut sich, na klar. Das Testzentrum für maritime Technologien war 2019 im Südhafen eröffnet worden. Hanno Schnars vom Fraunhofer-Institut für Fertigungstechnik und Angewandte Materialforschung nennt das Areal in der Nordsee sogar „europaweit einzigartig“. Auch andere Forschungseinrichtungen werden den Wasserspielplatz nutzen; das Alfred-Wegener-Institut (AWI) aus Bremerhaven beispielsweise testet schon bald Verankerungen für Messdaten-Erfassungsgeräte, die dann in der Arktis zum Einsatz kommen.

Helgoland hatte einst den Ruf, ein „Fuselfelsen“ für zollfreien Schnaps zu sein. Heute ist es auch eine Forschungsinsel. Was für eine schöne Entwicklung.

Stefan Kruecken, Jahrgang 1975, leitet mit seiner Frau Julia den von ihnen gegründeten Ankerherz Verlag. Vorher war er Polizeireporter für die Chicago Tribune und arbeitete als Reporter für Zeitschriften wie max, Stern und GQ von Uganda bis Grönland. Von Helgoland aus streamt unser Webradiosender Radio Ankerherz in alle Welt.

In unserem Kleinen Buch vom Meer Inseln gibt es natürlich auch eine große Geschichte über Helgoland. Wir versenden das Buch ohne Versandkosten! Hier im Online Buchladen von Ankerherz bestellen.

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