UWE FRIEDRICHSEN IST TOT – ein persönlicher Nachruf

Mit Uwe Friedrichsen verbinde ich schöne Momente aus meiner Kindheit. Er war „der Uwe“ aus der „Sesamstraße“, und ich erinnere mich an seine tiefe, sonore Stimme, wenn er uns Kindern vorlas. Seine große Zeit als Schauspieler, die Rolle als Zollfahnder Zaluskowski in der Serie „Schwarz-Rot-Gold“ ging an mir vorbei, doch die „Sesamstraße“ brannte sich ein. Er war auch Sergeant Murtaugh aus „Lethal Weapon“ oder Inspektor Colombo, er war so oft da.

Seine Stimme konnte Menschen zum Weinen bringen. Für Ankerherz las er das Hörbuch „Wellenbrecher“ ein, die besten Geschichten alter Kapitäne. Friedrichsen, Jahrgang 1934, der seine Schauspielerausbildung auch als Hafenarbeiter erschuftet hatte und dessen Urgroßvater als Fellhändler auf der Nordlandroute fuhr, hatte einen besonderen Bezug zu den Erlebnissen der alten Seeleute. Er gab ihnen eine besondere Intensität, die Menschen rührte, mitriss, ins Herzen hinein traf.

Als er im Internationalen Maritimen Museum die Story eines Seenotretters las, der seinen Bruder an die See verlor, liefen gestandenen Hamburger Anzugträgern die Tränen übers Gesicht. Bei einer anderen Veranstaltung im Künstlerhaus Spiekeroog war lautes Schluchzen zu hören. Die Menschen weinten, denn er brachte die Geschichte zum Leben. Jede klang anders, ganz so, als lese sie jeder Seemann eigens vor. „So etwas habe ich noch nie erlebt“, schrieb uns jemand hinterher.

Uwe Friedrichsen ließ sich nicht unterkriegen

Ich erinnere mich an einen Mann, der tapfer gegen die schwere Krankheit, den Krebs, ankämpfte. Er hatte Schwierigkeiten beim Lesen, weil sein Mund und sein Hals trocken waren, doch er ließ sich nie etwas anmerken. Er begegnete der Krankheit mit hanseatischer Gelassenheit. Er ließ sich überhaupt selten unterkriegen und stand für seine Rechte ein. Bei einer Lesung in Bremen stand eine Frau während der Lesung mehrfach auf und fotografiert ihn. Friedrichsen, durch das Klacken gestört, fuhr die Frau an: „Was erlauben Sie sich!“ Erst nach mehreren Minuten, vielen bösen Blicken (und Entschuldigungen) setzte er die Veranstaltung fort.

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Einmal luden wir ihn ein, für die Reihe „Hollywood in Hollenstedt“, unsere Benefizveranstaltung im Alten Tanzsaal, deren Erlös wir an die Kinderkrebshilfe spendeten. Friedrichsen, der Star im Dorf, witzelte auf der Weihnachtslesung, er lachte mit den Kindern und gab jedem ein Autogramm. Er war wieder „der Uwe“ aus der Sesamstraße.

Wir werden Uwe Friedrichsen und seine Stimme vermissen. Und ihm ein Andenken bewahren. Gute Reise, unser Uwe.

 

Stefan Kruecken, Jahrgang 1975, leitet mit seiner Frau Julia den von ihnen gegründeten Ankerherz Verlag. 

Das Hörbuch WELLENBRECHER, gelesen von Uwe Friedrichsen, gibt es hier.

 

 

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