Vom Kutter in die Charts – das Märchen der Fisherman´s Friends

Von Bord eines kleinen Kutters in die Top 10 der Hitparade. Geht nicht? Geht doch! Die Geschichte der Fisherman´s Friends aus einem Dorf in Cornwall klingt wie ein modernes Märchen. Sie ist aber wahr. Auszug aus unserem „Kleinen Buch vom Meer: Helden„.

Zehn Fischer aus Cornwall, die es mit alten Shantys an die Spitze der britischen Charts schaffen. Klingt nach einer leicht kitschigen Komödie? Stimmt. Die Vorlage des Films Fisherman´s Friends aber ist real. Die Geschichte hat sich im Kern tatsächlich zugetragen, und sie beginnt Mitte der 1990er Jahre.

Einige Fischer, ein Ladenbesitzer, ein Ingenieur und zwei Bauarbeiter gründen eine Shanty-Band und nennen sie Fisherman´s Friends. In Port Isaac, einem verwunschenen Fischerdorf an der Küste von Cornwall, international bekannt als Schauplatz der TV-Serie Doc Martin. Die Männer waren zwischen 36 und 68 Jahre alt und sangen die alten Arbeitslieder von See. „John Kanaka“, „Keep Hauling“, „Nelson´s Blood“ und all die anderen Songs, die in früheren Zeiten die harte Arbeit an Bord erträglicher machen sollten.

Shanty ist der Rock`n Roll von 1752

Shantys waren ursprünglich Arbeitslieder, die man vor allem im 18ten und 19ten Jahrhundert auf englischen Handelsschiffen und auf Trawlern anstimmte, um die Koordination der körperlichen Arbeit zu unterstützen und die Moral der Crews zu stärken. Anker hieven, Netze einholen, Aufziehen der Rahen – das war echte Maloche, die leichter von der Hand ging, wenn die Männer dabei sangen. Auf wohlgeformtes Englisch und einen Sinn für Melodik kam es dabei weniger an. Die Bewältigung der Arbeit war wichtig, nicht die Musik.

Oft gab es an Bord einen Wechselgesang, der durch Wind und Wetter dringen musste: der Shantyman sang lautstark vor, die Crew antwortete. Instrumente? Waren in diesem Konzept nicht vorgesehen und kamen erst später dazu. Als die Zeit der Großsegler endete und das Zeitalter der Dampfschiffe begann, brauchte es keine Shantys mehr an Bord. Heute werden sie hauptsächlich von gesetzten Herren in Fischerhemden auf Hafenfesten angestimmt.

Fisherman`s Friends werden Stars

Im Falle der „Fisherman´s Friends“ nahm die Geschichte eine märchenhafte Wende, als ein Moderator des Radiosenders BBC2 nach Cornwall in den Urlaub reiste. Durch einen Zufall hörte er eine selbstproduzierte CD der Band – und war fasziniert von deren urwüchsiger Kraft. „Shanty ist der Rock´n Roll von 1752“, wie es im Film später heißt.

Der Manager des Radio DJ fuhr nach Cornwall, um die Band singen zu hören. Wenig später fädelte er einen Plattenvertrag mit dem Label „Universal Music“ ein. Für die Summe von einer Million Pfund. Eine Investition, die sich für alle Seiten lohnte. Das Debut-Album, das 2010 erschien, verkaufte sich mehr als 150.000 Mal und kletterte in die Top10 der britischen Charts. Eine Geschichte, die so aus der Zeit gefallen scheint, dass die ein breites mediales Echo fand.

Doch es gab ein Ereignis, das dem Märchen ein dunkles Kapitel hinzufügte. Im Frühjahr 2013 brach die Band zu einer kleinen Tournee auf. An einem kalten Morgen halfen die Männer beim Aufbau der Bühne in Guidford, als eine tonnenschwere Metalltür umkippte. Trevor Grills, wichtigster Solo-Sänger der Band, und Paul McMullen, ihr Promoter, starben bei diesem furchtbaren Unglück.

Emotionales Comeback in London

Die geschockte Band sagte eine geplante USA-Tournee ab und verschob den Erscheinungstermin des bereits aufgenommenen zweiten Albums. Ein Jahr lang verstummten die „Fisherman´s Friends“. Dann gaben sie ein emotionales Comeback, bei einem ausverkauften Konzert in der Royal Albert Hall. Auf den Tag genau zwölf Monate nach dem tragischen Unfall.

Der Humor und Witz des Films habe, die Trauer zu verarbeiten, sagten Mitglieder der Band. Die echten Fischer und Freunde der „Fisherman´s Friends“ sind im Kinofilm in einer Szene zu sehen und hören.

So wunderbar verschmelzen Realität und Fiktion.

Die Geschichte der Fisherman´s Friends stammt aus unserem „Kleinen Buch vom Meer: Helden„. Gibt es hier bei uns im Online Buchladen von Ankerherz. Die Musik der Band hört Ihr gelegentlich auf Radio Ankerherz – wir streamen aus einem kleinen Studio im Unterland.

0 comments