Wintersturm: die kleine Hoffnung auf den Flockdown

„Flockdown“ ist für mich das schönste Wort dieses Wochenendes, an dem der angekündigte große Wintersturm über das Land zieht. Flockdown: eine Kombination aus Lockdown und Schneeflocken. Unsere Kinder hoffen auf diesen „Flockdown“. Wäre der nicht sogar vernünftig?

Als die Meldungen kamen, vom fiesen Polarwirbel, der sich nach Süden verschob oder vom Wettermuster, das so ähnlich aussah wie im Winter 1978/79, als die Bundeswehr mit Panzern anrücken musste, um im Norden eingeschlossene Dörfer vom Schnee zu befreien, da freuten sich unsere Kinder.

„Mensch, das wird ja gemütlich“, rief unser jüngster Sohn, er ist elf.

Nun sind Schneekatastrophen natürlich vor allem das, was sie sind: Schneekatastrophen. Für alle, die in Zügen stecken bleiben und in Autos und vor allem für jene, die auf den Straßen leben. 12 Menschen sind in Hamburg in diesem Winter bereits erfroren. Dennoch kann ich gut verstehen, wieso unsere Kinder auf den „Flockdown“ hoffen. Einschneien, meterhoch, mit fiesem Eisregen vor der Tür und damit keinen Grund mehr haben, das Haus verlassen zu dürfen. Ein erzwungener Komplett-Lockdown mit heißem Kakao, Keksen und extradicken Socken.

Die Kinder hoffen auf den „Flockdown“

Ich halte nichts von Panik und von überzogener Sorge, doch ich ertappte mich dabei, am Freitagabend kurz vor Ladenschluss noch mal in den Baumarkt im Dorf zu huschen. Falls der Strom ausfallen sollte im Eisregen der Marke Winter 1978/79, mussten wir doch vorbereitet sein. Wir wohnen mitten im Wald. Wenn der Storm ausfällt, wird das unangenehm, das war mein Gedanke. Nur um festzustellen, dass es im Baumarkt keinen einzigen Scheit Brennholz mehr gab. Den Weg zum Regal mit Dosen-Ravioli im Supermarkt sparte ich mir dann. Ich kam mir etwas albern vor.

Richtig eingeschneit wurde ich bislang nur einmal, auf einer Reise nach Island. Kapitän Schwandt, ein Freund und ich waren zu Arbeiten an der Biographie „Sturmwarnung“ mit dem Schiff nach Seydisfjördur gereist. Als ich morgens den Vorhang des Hotelzimmers zur Seite zog, sah ich: nichts. Nur weiß. Der Schnee fiel waagerecht. Es hörte gar nicht mehr auf und man konnte zusehen, wie die Schneedecke Zentimeter um Zentimeter wuchs.

Eingeschneit auf Island

Die Pass-Straße wurde gesperrt, niemand kam aus dem Fjord hinaus. (Ein Szenario übrigens, das die Grundlage für die sehr empfehlenswerte Krimi-Serie „Trapped“ ist). Mit Mühe schlitterten wir mit unserem Familien-Van abends zurück auf die Fähre nach Dänemark. Einmal musste ein freundlicher Isländer mit einem starken Jeep uns frei ziehen, weil wir in einer Schneewehe hängenblieben. Wir waren jedenfalls froh, als das Schiff ablegte.

Ach ja, und einmal reiste ich als Reporter im Winter nach Saskatoon, das ist eine Stadt in der Prärie von Kanada. Das Thermometer im Mietwagen zeigte -25 Grad, aber die Leute waren wenig beeindruckt. Sie gingen sogar joggen. (Eine kleine Geschichte dazu lest Ihr hier im Ankerherz Blog).

Doch zurück zum Flockdown bei uns im Norden: Die Vorstellung, gemütlich eingeschneit zu sein, wie in einer Art großen Schneehöhle, die ist ja eigentlich nicht nur kindisch. Vielleicht ist sie sogar vernünftig? Es heißt doch, dass das beste Mittel gegen die Ausbreitung von Corona die Kontaktsperre sei. Sorge vor der Mutation des Virus macht sich breit, gegen die bislang bekannte Impfstoffe womöglich nicht so gut helfen.

Anderthalb Meter hohe Schneeverwehungen und Eisregen sind eine relativ verlässliche Methode der Kontaktsperre.

Wenn in zwei Wochen alles wieder taut, ist auch der Inzidenz-Wert auf unter 30 geschmolzen. Und niemand müsste diskutieren, über Frisöre, über Lockerungen und überhaupt. Nicht mal Christian Lindner, die lahme Nörgel-Orgel der FDP, könnte sich beschweren.

Während ich diesen kleinen Blog schreibe, hat es zumindest angefangen zu schneien. „Russenpeitsche“. Geschätzt zwei Zentimeter Schnee liegen nun vor dem Fenster, die der Sturm immerhin recht spektakulär ums Haus weht. Die Kinder sind dennoch enttäuscht.

„Papa, was ist das denn für ein Mist? Nicht mal Warnstufe Orange bei uns!“, beschwert sich die Lütte.

Mit dem „Flockdown“ wird das nichts.

 

Macht es Euch richtig gemütlich, auch ohne Flockdown! Mit schönen Sachen und Büchern vom Meer. Schaut Euch mal um! Nach dem Umzug unseres Onlineshops sind auch alle Kapuzenpullover wieder verfügbar.

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