Unser kleiner Verlag: Zechenkinder

Als wir Ankerherz gründeten, hatten wir ein Traumprojekt. Wir wollten Geschichten von Bergleuten erzählen, von Malochern, von der rauen Poesie des Ruhrgebiets. Wir geben mit unserem Verlag den Helden des Alltags eine Stimme – und wo liegt dieser Leitgedanke näher als im Ruhrpott? Um Arbeiterstolz soll es in ZECHENKINDER gehen, um Fragen von Kameradschaft, auch um Verrat. Wir wollen den Kumpeln ein Denkmal setzen, bevor 2018 die letzte Zeche für immer schließt.

In ZECHENKINDER sammeln wir große Erlebnisse im Kleinen: Ein Aufsichtshauer berichtet, wie er in Oberhausen einen Amokläufer stoppt. Ein Steiger wird vom Papst zum Ritter geschlagen, was später vor dem Petersdom in Rom zu Parkplatzdiskussionen mit der Schweizer Garde führt. Für einen Koreaner bedeutet der Pütt einen Notausgang und einen ewigen Kampf. In vielen Erinnerungen geht ums Weitermachen, darum, nicht aufzugeben, um Mut und Haltung, aber auch um die Schattenseiten einer manchmal idealisierten Welt tief unten.

BITTE KEINE KLISCHEES

Dass ZECHENKINDER Klischees vermeidet, ist dem Autor David Schraven zu verdanken. Schraven, Jahrgang 1970, der das investigative Ressort der WAZ leitet, wohnt in Sichtweite des Förderturms von Prosper Haniel. Es gab keinen Besseren für unser Buch. Wer die Sprache der Bergleute aufschreiben will – jedes Wort ist von den Kumpeln hinterher freigegeben worden – muss sie verstehen können. Als Fotografen konnten wir Uwe Weber gewinnen, einen Preisträger des renommierten World Press Award. Weber, Jahrgang 1960, wohnt aus Überzeugung in Duisburg-Ruhrort und gibt den ZECHENKINDERN mit seiner direkten Bildsprache in schwarz und weiß genau jenen Charme, den wir suchten.

Zechenkinder-Cover Kopie

Mehr als ein Jahr arbeiteten unsere Autoren , und wie das so ist in einem solchen Projekt, geht nicht immer alles ohne Reibung und Funkenflug über die Bühne. Als Fotograf Weber seinen Hund mit zu einem Fototermin nahm, der prompt einen Fluchtpunkt aus dem Garten entdeckte und durch das Haus eines Nachbarn abhaute, gab es hinterher eine Email-Diskussion zwischen Duisburg und Bottrop, die außerhalb des Ruhrgebiets niemand in ihrer herzhaften Direktheit verstehen würde. Sie endet mit:

„Dat war echt Kacke“, und damit war auch das geregelt.

Wir freuen uns auf die ZECHENKINDER und hoffen, dass Leser überall in Deutschland, Österreich und der Schweiz Kumpel werden.

 

 

Stefan Kruecken, Jahrgang 1975, leitet mit seiner Frau Julia den von ihnen gegründeten Ankerherz Verlag.

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