KEIN LAND IN SICHT: Künstlerin „strandet“ auf Pleite-Schiff

23 Tage sollte sie auf See bleiben, für ein Kunstprojekt – doch nun sitzt die britische Künstlerin Rebecca Moss seit einer Woche auf dem „gestrandeten“ Großcontainerfrachter „Hanjin Geneva“ fest. Nach der Pleite der siebtgrößten Reederei der Welt verweigern viele Häfen den Schiffen die Erlaubnis einzulaufen, weil unklar ist, wer für die Kosten aufkommt und wie es weitergeht. Hanjin-Gläubiger drohen damit, die Schiffe buchstäblich an die Kette zu legen, um ihren Forderungen gegen die Reederei Nachdruck zu verleihen. Die „Hanjin Express“ ankert aktuell im Pazifischen Ozean, irgendwo vor Tokio. Kein Land in Sicht…

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„Ich schwanke zwischen Wut und Ungläubigkeit. Es ist eine seltsame Situation“, sagt die Künstlerin in einem Interview mit der Vancouver Sun. Sie erfuhr von der Notlage am Morgen des 1. September, als sie sich beim Frühstück einen Kaffee holte. Der Kapitän der „Hanjin Geneva“ wartete bereits auf sie und versicherte ihr, dass sie sich dennoch keine Sorgen machen solle. Die Crew habe ruhig auf die Situation reagiert, berichtet Frau Moss – und die Pleite schon kommen sehen.

Seekrank und ohne Plan

Im Gespräch mit der Zeitung ist herauszulesen, dass die Reise für die Künstlerin reiner Stress sein muss. Ein Meeting, in dem der Kapitän die weiteren Optionen erörterte – möglicherweise läuft das Schiff einen Hafen in Südkorea an – bekam Moss nicht mit, weil sie „seekrank“ war. Sie schlafe schlecht, weil sie sie „mental damit umgehen muss, was ich tue, wenn ich wieder an Land bin“. Die Besatzungen der Hanjin Schiffe müssen mental damit umgehen, wie sie die nächste Heuer bekommen und zu ihren Familien zurückkehren. 79 der insgesamt 141 Frachter der Reederei sind betroffen.

Hamburg als Zufluchthafen?

Nach einem Bericht des Manager-Magazins könnte Hamburg (neben Busan ind Südkorea und Singapur) als eine Art Zufluchthafen dienen. Gründe: Die Vorschriften machen eine Arrestierung unwahrscheinlich, das soziale Engagement für (gestrandete) Seeleute ist in der Hansestadt groß und wegen der begrenzten Kapazitäten und engen Taktung der Schiffe ist es unwahrscheinlich, dass ein Schiff lange liegen kann. Eurogate, Hamburgs zweitgrößter Container-Terminalbetreiber, warnte seine Kunden zur Sicherheit schon mal vorab: Hanjin-Fracht, so das Unternehmen, werde ausschließlich bewegt, wenn gegen eine Erklärung zur Kostenübernahme vorliegt.

 

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