JERSEY: Der schwarze Hund von Bouley Bay

In den Nächten, in denen der volle Mond auf die Bucht schien, hörten die Leute im Dorf das fürchterliche Heulen. Ein Hund? Niemand, nicht mal der Herr Pfarrer, wagte sich vor die Tür, und einige Fischer, die das Monstrum aus der Ferne gesehen hatten, versicherten, dass es sich um kein natürliches Wesen handeln konnte. Eine Bestie mit schwarzem, struppigem Fell, mit feurigen Augen, so groß wie Teller, deren Zähne, das war jedem klar, einen tödlichen Biss hatten.

Etwas Teuflisches schlich über die Klippen und unten über den Strand: der schwarze Hund von Bouley Bay.

Insel Jersey, zweihundert Jahre später: Jeder am Tresen der „Black Dog Bar“ kennt diese Legende, und im Museum der Inselhauptstadt, in St. Hellier, haben sie ein Kostüm ausgestellt, das Kinder erschreckt, wenn die Augen im Fell blinken. „Le Chien de Bouley“ gehört zum Gemeingut, zum kollektiven Gedächtnis, doch die Frage, wer dahinter steckt, wird, wie sich das für eine ordentliche Gruselgeschichte gehört, niemals abschließend geklärt. Waren es Schmuggler, die den Hund bei Vollmond zum Leben erweckten, damit keine Zeugen an den Strand kamen? Oder erfanden französische Einwanderer, von denen viele auf die Insel geflohen waren, die Bestie, um sich über die leichtgläubigen Einheimischen zu amüsieren?

Womöglich sollte der Hund von Spionen ablenken, die von Jersey aufs Festland übersetzten. Eine Sektion des englischen Geheimdienstes, die in einen Landsitz unweit des Dorfes eingezogen war, operierte Ende des 18. Jahrhunderts im Westen Frankreichs. Die Agenten beobachteten gegnerische Truppen, lieferten Waffen und Uniformen. Eine Branche, in der man lieber unbeobachtet bleibt.

Spione, Alkohol, Tabak: Jersey in der Bucht von St. Malo war ein Paradies für Schmuggler, die Geschäften in Frankreich und an der Südküste Englands nachgingen. Nur 19 Kilometer Atlantik sind es an der kürzesten Stelle bis zur Normandie, und besonders das Seegebiet im Norden garantierte mit starken Strömungen, Untiefen und scharfen Felsen eine gewisse Privatsphäre – hier hinein segelte nur, wer sich auskannte und einen guten Grund hatte. Sagenhafte zwölf Meter beträgt der Tidenhub in einigen Abschnitten. Entlang der Küstenlinie, die schroff ist und wild, gibt das Meer bei Ebbe eine Klippenlandschaft frei, und an einigen Stellen ist es bei Ebbe möglich, kilometerweit ins Meer hinein zu wandern. In den Felswänden der Küstenlinie kann man große, tropfende Höhlen erkunden, mit Kammern hinter Felsvorsprüngen, die Verstecke bieten. Das Terrain erinnert an die Kulisse aus einem Abenteuer der „Fünf Freunde“ von Enid Blyton, und es würde kaum verwundern, hinter der nächsten Ecke eine Holzkiste voller Silberstücke zu finden.

Jersey: ein Paradies für Piraten

Auch Piraten fanden optimale Arbeitsbedingungen vor, und manchmal musste der Handel zeitweise eingestellt werden, weil sich kein Frachtschiff mehr in die Gewässer wagte. Der Gouverneur schickte Briefe an die englische Admiralität, mit der Bitte, Sonderpatrouillen zu entsenden; doch auch mit den eigens für die Gewässer konzipierten Booten, „Lion´s Whelp´s“ (Löwenwelpe) genannt, dauerte es Jahre, bis man die Aktivitäten der Freibeuter einigermaßen eindämmte. Jersey ist ein verwunschenes Märchenreich mit dichten Wäldern, mit steilen Felswänden, mit Straßen, die wie grüne Röhren wirken, mit kleinen Fischersiedlungen, in denen Boote bei Ebbe trocken auf dem Schlick liegen. Man kommt an Orte, die „Teufelsloch“ heißen, „Wolfhöhle“ oder „Gute Nacht“. Es braucht nicht viel Phantasie, sich vorzustellen, wie es früher einmal in der Dorfspelunke von Ouaisne Bay aussah.

Über dem Eingang steht bis heute „The Old Smugglers Inn“.

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Damals und heute: der Leuchtturm La Corbière auf Jersey - on Dez 03 2018

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