ANKERHERZ AUF REISEN: IONA. Die Heilige Insel

Iona ist die Heilige Insel am Ende der Welt. Eine kleine Insel der Mönche, der Könige, die Insel von Macbeth. Besuch an einem magischen Ort, für den die Einsamkeit und die Angelegenheit ein Schutz ist.

Wer an einem sonnigen Tag den Hügel hinunter kommt, den Anleger von Fionnphort sieht und hinüber nach Iona, der glaubt fast, in einem Märchenfilm unterwegs zu sein. Iona Abbey liegt auf der anderen Seite in der Sonne, gebaut aus grauem Stein, und wären nicht einige Straßenlaternen und das Dieselbrummen der Fähre, würde alles sein wie seit mehr als tausend Jahren.

Iona, die heilige Insel, ein Ort am Ende Europas: Wer hier hin will, muss ein Flugzeug nach Glasgow nehmen, fährt vier Stunden durchs Hochland zum Fährhafen Oban, setzt über nach Mull und fährt dann noch einmal knapp anderthalb Stunden durch eine wilde Landschaft, in der wenig wächst und die Blicke weit sind. Es ist eine lange Reise über zwei Tage, und es ist der Grund, warum es hier keinen „Burger King“ und „Starbucks“ und anderen Mist geben wird und nicht zu große Massen, die den Ort wegtrampeln.

 

Die Fähre der Caledonian MacBrayne ist klein und an diesem Frühsommertag setzen nur einige Insulaner und drei, vier Touristen über. Obwohl die See ruhig ist, arbeitet das kleine Schiff gegen die starke Strömung. Wie es früher für die Pilger gewesen sein mag? Iona Abbey kommt näher, ein Segelboot liegt in der Bucht. Alles wie gemalt.

Iona: Wikinger, Könige, Macbeth

124 Menschen leben auf der Insel, etwas mehr als eine halbe Meile lang und eine Viertelmeile breit, die meisten im Dorf Baile Mòr. Die ersten Menschen kamen in der Bronzezeit, und es gilt unter Historikern als unwahrscheinlich, dass Columban, als er 563 mit zwölf Männern anlandete, eine leere Insel vorfand. Er gründete das Kloster Iona Abbey – und von hier aus verbreitete sich die Keltische Kirche in Schottland und Irland. Vermutlich wurde hier das legendäre Book of Kelts verfasst, bevor man es aus Furcht vor Überfällen durch Wikinger nach Irland brachte.

Das Dorf Baile Mòr ist klein. Man kommt vorbei an einigen Booten, die aufliegen, nimmt den Hügel, kommt über eine Wiese und steht schon auf dem Friedhof vor der Abbey. Könige liegen hier begraben, aus Schottland, Irland, Norwegen, auch Macbeth, bekannt durch das Drama von Shakespeare. Verwitterte Kreuze sind ihre Zeugen, das St.-Johns-Kreuz aus dem achten und das St.-Martins-Kreuz aus dem neunten Jahrhundert existieren noch.

Dieser Ort hat Künstler wie Theodor Fontane und Francis Cadell inspiriert, und es braucht wenig Phantasie, um sich auszumalen, wie es hier früher ausgesehen haben mag. Im Besucherzentrum verteilt man Audio-Guides, die nicht nur die Anlage erklären, sondern mit Geräuschen von Marktszenen oder Mönchgesängen einen endgültig in eine andere Zeit reisen lassen. Absurd ist leider nur, dass im Inneren der Kirche Werbung gemacht wird für einen „Eine-Welt-Laden“, dessen Betreiber es auch in Ordnung finden, neben allerhand Tand einen leeren Plastikeimer zu verwenden, der für Mayonaisse gedacht war.

Post Office auf Iona

„Wenn Columba heute auf seine Insel zurückkehren würde, hätten sich die wesentlichen Dinge nicht verändert“, steht im Guide. Das stimmt, und wer durch die Gassen des Dorfes zum Anleger zurückschlendert, vorbei am kleinsten Post Office Großbrittaniens, hat das Gefühl, dass die Zeit einfriert. Vor der Fähre bleibt Zeit für ein Pint im Pub am Anleger. Das Wasser der Bucht glitzert in der Sonne, ein Kinderlachen ist zu hören, sonst tiefe Stille.

Diese Einsamkeit ist ein Schutz.

 

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