Bling-Bling-Hobel Icon of the Seas – ist das wirklich noch ein Schiff?

Das neue Kreuzfahrtschiff „Icon of the Seas“ sprengt alle bislang bekannten Dimensionen. Platz für 7600 Passagiere und 2350 Crewmitglieder. Riesige Rutschen und noch mehr Blingbling. Eine Frage: Ist das überhaupt noch ein Schiff?

Erste Probefahrten hat die „Icon of the Seas“ in den Schären vor der finnischen Hafenstadt Turku bereits absolviert. Für knapp 1,1 Milliarden US-Dollar wurde sie in der Meyer Werft von Turku gebaut. Ein Schiff in einer neuen Klasse. Noch größer, noch höher, noch mehr Bling-Bling. Ist das eigentlich noch ein Schiff? Oder schon ein schwimmender Freizeitpark, der mit monströsen 250.800 BRZ über die Wellen schiebt? Ab Januar 2024 soll er unterwegs sein.

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Ist die „Icon of the Seas“ noch ein Schiff?

Neben dem üblichen Massenangebot an Bars und Restaurants verspricht die Reederei Royal Caribbean ingesamt sieben Pools und Wasserrutschen, die jeden Rekord brechen. Es gibt einen eigenen Wasserfall, einen Aquadom unter einer gigantischen Glaskuppel, Sprungtürme und natürlich Hotel- und Apartmentsegemente, verteilt auf 365 Meter. Weil sie zwei Decks höher ist als das bislang größte Kreuzfahrtschiff der Welt, die „Wonder of the Seas“, passen noch mal 100 Kabinen mehr an Bord.

 

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Die „Icon of the Seas“ ist ein schwimmendes XXXL-Spaßbad im quietschenden Plastikstil, das rund ums Jahr von Miami aus in See gehen soll. Wenn das Schiff nach den Erprobungsfahrten in Finnland den Atlantik überquert hat, wird es in der Karibik bleiben. Ziele werden u.a. die Bahamas, Cozumel in Mexiko oder die Privatinsel der Reederei sein, die auch nichts anderes ist als ein Spaßbad mitten im Meer.

Das ist bestimmt auch besser so: Raue See oder einen ausgewachsenen Sturm möchte man in diesem Cocktailglas nicht erleben. Wie knapp 10.000 Menschen in einem Notfall evakuiert werden soll, ist auch eine dieser Fragen, die man lieber fortschiebt. Einige unserer alten Kapitäne meinen, dass sie nicht für Geld einen Fuß auf ein solches Schiff setzen würden. 

LNG-Antrieb und Landstrom

Passt die „Icon of the Seas“ überhaupt in diese Zeit mit Klimakrise und Energiebewusstsein, in der Nachhaltigkeit das Thema sein sollte? Die Frage stellt sich doch gar nicht erst. Dennoch verweist die Reederei auf sechs Motoren, die Flüssigerdgas (LNG) verwenden können und das Schiff auf 22 Knoten beschleunigen. Anders als die anderen Schiffe der Flotte, die Schweröl verfeuern. LNG verursacht deutlich weniger Schwefel-, Ruß- und Stickstoffemissionen als Schweröl, ist aber umstritten, weil bei der Produktion große Mengen Treibhausgases Methan entstehen. Die „Icon of the Seas“ soll auch Landstrom abnehmen können. Praktisch für die Häfen Kaliforniens (denn dort ist es inzwischen Pflicht) und schön für den Werbeprospekt und das gute Gefühl.

Denn machen wir uns nichts vor. Eigentlich ist dieses Schiff ein schwimmender, blinkender Mittelfinger. In Plastik. Und noch mal zwei Decks höher.

Ein schwimmendes Spaßbad in XXL.  Foto: Royal Carribean

 

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