Der Filou – Nachruf auf den Bremer Kapitän Günter Mundt

Wir trauern um Kapitän Günter Mundt. Der Seemann aus Bremen verstarb im Alter von 85 Jahren in seiner Heimatstadt. Nachruf auf einen Kapitän und alten Freund.

 Die letzte gemeinsame Reise war kurz, aber ich weiß, dass sie ihm besonders gut gefiel. Während des SailingCups in Wilhelmshaven hatte man uns nach einer Lesung eingeladen, auf die Regatta der Großsegler. Wir saßen an Deck eines alten Schoners, tranken Kaffee und plauderten, während das Schiff über die See glitt.

Der alte Kapitän Günter Mundt, Jahrgang 1939, stopfte sich eine Pfeife. Er genoß jeden Moment, wie er sagte. Als wir uns dem Hafen näherten, gab es eine Nachricht, die mich etwas beunruhigte. Ich musste von Bord, um die Einlaufparade zu moderieren. Weil ein anderes Schiff zuerst in die Schleuse einfuhr, bedeutete dies, über die Bordwand auf einen anderen Großsegler überzusteigen, dann runterzuklettern und anschließend die Schleusenwand eine Sprossenleiter zur Kai hinauf.

Wie sollte das der alte, schwer kranke Seemann schaffen?

Kapitän Günter Mundt, Bremen. Foto: Ankerherz

Nachruf auf Kapitän Günter Mundt

Als wir in der Schleuse festmachten, kletterte er hinter mir her, als sei er nicht 84, sondern höchstens 48, zum Erstaunen der Crews und Passagiere, die zusahen. Ich wusste, dass er sich nicht besonders fühlte. Doch es sah spielerisch leicht aus.

„Gelernt ist eben gelernt“, meinte Günter Mundt. Er grinste zufrieden.

Von allen Kapitänen, die ich kenne, war niemand im Herzen so jung geblieben wie Günter Mundt. Bis ins hohe Alter wirkte er wie ein Filou, und kaum jemand konnte so gute Geschichten erzählen. Von der Schlägerei in Havanna, die in einem Gefängnis endete. Von der Ladung Dynamit, die er in einem Sturm rund ums Kap der Guten Hoffnung schaukelte. Von der „Wiedervereinigung“, die seine Crew mit ostdeutschen Fischern lange vor dem Fall der Mauer in einer Bar in Halifax feierte.

Mundt wollte Seemann werden, um einer Nachkriegswelt zu entkommen, die er als eng empfand. Seinem Vater, der wollte, dass der Sohn Fernsehtechniker wurde, gab er ein Versprechen – er sollte Kapitän werden. Er hielt es, trotz mancher Widrigkeiten auf dem Weg.

Kapitän Günter Mundt hat uns auf vielen Reisen begleitet. Über den Nordatlantik nach Island oder den Rhein von Rüdesheim nach Amsterdam. In Erinnerung bleiben besondere Gespräche über die See und das Leben und mancher Lacher. Und seine positive, lebensbejahende Art. „Wird schon“, das sagte er häufig. Man verbrachte gerne Zeit mit ihm.

Als ich ihn zuletzt besuchte, in einem Hospiz im Bremer Norden, trug er eine Kapuzenjacke von Ankerherz. Er erzählte, dass er dem Pflegepersonal von unseren Reisen berichtet hatte, von den Büchern und überhaupt.

„Macht weiter so“, war das letzte, was er mir sagte.

Ich war traurig und gerührt, als ich ins Auto stieg.

 

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