Ein Boot voller Glück: die Fischer von Cala Bona

Die Fahrt geht der Sonne entgegen, mitten hinein in den neuen Tag. Cala Bona, Mallorca, ein kleiner Hafen an der Ostküste, etwas nördlich von Porto Cristo. An Bord des Bootes, das mit voller Fahrt hinaus läuft, sind drei Fischer. Zwei heißen Juan, es sind Cousins, weshalb ihr Boot „Nous dos Joans“ heißt, der dritte ist Salvador. Sie sind über 50, und man sieht an ihren Gesichtern, verknittert von Sonne und Salzluft, dass diese Männer ihr Leben lang draußen waren auf See.

Nach einer halben Stunde ist die Küstenline ein Strich am Horizont und die Arbeit beginnt: Sie holen die ersten Netze ein. Der Diesel tuckert, das kleine Boot tanzt auf den Wellen. Die Fischer arbeiten, ohne sich Kommandos geben zu müssen. Seit ihrer Kindheit sind sie gemeinsam draußen. Jeder weiß, was zu tun ist, jeder Handgriff ist viele tausend Male geschehen.

Freudenrufe! Ein großer Fisch im Netz

Dann: Freudenrufe! Ein großer Fisch zappelt im Netz, ein Barsch. Salvador strahlt, als er ihn in den Händen hält und legt ihn vorsichtig, beinahe liebevoll in die Kühlkiste. In den kommenden Stunden kommen einige Langusten dazu, ein knappes Dutzend Rochen. Der Fang geht direkt in die Restaurants von Cala Bona, und was die drei Fischer dafür bekommen, wird mal wieder gerade reichen, die Kosten zu decken und sich einen kleinen Lohn auszuzahlen. Ein Juan hat deshalb begonnen, im Zweitjob als Zimmermann zu arbeiten, der andere schickt Touristen an einem Segel hinter einem Motorboot in den Himmel. Nur Salvador arbeitet Vollzeit als Fischer, auf zwei Booten.

„Die Fischerei müsste mehr kontrolliert werden“, sagt er. Am Horizont zieht ein großer Trawler vorbei, mit einem Schleppnetz, das den Meeresboden umpflügt wie einen Acker. Die Schäden sind immens, für die Natur, für die kleinen Fischer. Die Bestände im Mittelmeer (das fünf Mal größer ist als die Nordsee) sind mehr als ausgelaugt. Nahezu alle Fischbestände sind überfischt, teilte die EU-Kommission vergangene Woche mit. Sie fordert rasche Gegenmaßnahmen, bevor es zu spät ist.

Das Paradies ist bedroht

Die Fischbestände schwinden dramatisch, dabei könnte das Mittelmeer ein Paradies sein. Knapp 12.000 Arten gibt es, welch eine Vielfalt, bedroht durch Verschmutzung, Klimawandel, zu viel Fang. In den vergangenen 50 Jahren sind 34 Prozent aller Fische und 41 Prozent der Meeressäuger verloren gegangen, berichtet die Forschungsstelle der EU-Kommission. 93 Prozent der untersuchten Bestände sind überfischt. Die Mittelmeer-Staaten haben sich auf ein Arbeitsprogramm verständigt, das die Fische und kleine Betriebe schützt. Illegale Fischerei soll bis 2020 unterbunden werden und es bleibt zu hoffen, dass es keine Worte auf Papier bleiben werden, sondern Taten folgen.

Für Fischer wie die auf der „Nou dos Joans“ wird es höchste Zeit. Juan, der Skipper erzählt, dass nur noch sieben Boote im Hafen von Cala Bona liegen, früher waren es Dutzende. Früher, als sie mit dem Großvater hinaus fuhren und mit vollen Netzen zurückkehrten. Heute will kaum einer der jungen Leute im Dorf den Job machen: Harte Arbeit, wenig Lohn, und wo ist die Perspektive?

 

Der glücklichste Mann

Wo die Perspektive ist, spürt man, je länger der Tag auf dem kleinen Boot dauert. Eine Zufriedenheit, ein tiefes In-sich-Ruhen. In den Minuten zwischen zwei Netzen, in denen Salvador auf die See sieht und zu lächeln scheint. In den Augenblicken, wenn sie zusammen scherzen und lachen. Wer wissen will, was sie denken, muss in ihre Gesichter sehen, wenn das Boot durch die See geht und sie ein spätes Frühstück essen. Man beobachtet auch ihren Respekt vor der See. Mehr als ein Dutzend Mal holen die Männer ein Maß heraus, um zu prüfen, ob die Fische und Langusten groß genug sind, um gefangen werden zu dürfen. Im Zweifel warfen sie die Tiere sofort wieder zurück ins Meer.

„Ich könnte mir nicht vorstellen, etwas anderes zu machen“, sagt Salvador.

Ich habe selten Menschen getroffen, der so voller Glück zu sein scheinen, trotz allem.

 

STEFAN KRUECKEN, JAHRGANG 1975, LEITET MIT SEINER FRAU JULIA DEN VON IHNEN GEGRÜNDETEN ANKERHERZ VERLAG. VOR DER VERLAGSGRÜNDUNG BERICHTETE ER ALS REPORTER FÜR MAGAZINE WIE MAX, STERN ODER GQ WELTWEIT.

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