Kapitän Schwandt: Von der Kraft, sich nicht unterkriegen zu lassen

Zum 85ten Geburtstag von Kapitän Schwandt schreibt Ankerherz-Verlagsleiter eine Gratulation. Von der Kraft, sich nicht unterkriegen zu lassen.

Der Kapitän öffnet die Tür und wirkt überrascht. „Jong, was macht du denn hier? Komm rein!“ Einige Monate haben wir uns in der Corona-Zeit nicht gesehen, nur telefoniert oder gemailt (zum letzten Treffen: hier im Ankerherz Blog). Kapitän Schwandt gehört zur Hochrisikogruppe, ich habe vier schulpflichtige Kinder. In dieser Konstellation hält man während einer Pandemie besser Abstand, wenn man sich mag.

Nun aber ist der 85te Geburtstag des alten Seemanns. Er wurde bereits zweifach geimpft, ich einmal. Das Restrisiko einer Geschenkübergabe halten wir so gering wie möglich, indem wir direkt auf die Terrasse gehen.

Ein Geburtstag als Zäsur

85 Jahre ist Kapitän Schwandt nun. „Das ist für mich eine Zäsur. Jetzt bin ich näher an 90 denn an 80“, sagt er und scheint sein Alter selber kaum zu glauben. Alles jenseits der 80er Marke sei „Bonusmaterial“, sagt er schon seit einiger Zeit. Angesichts seines Lebenswandels mit hunderttausenden Zigaretten (noch heute qualmt er ununterbrochen) wundere er sich selbst.

Schon vor Jahren musste sich Kapitän Schwandt aus der Öffentlichkeit zurückziehen. Zu chronischen Leiden kamen immer wieder neue hinzu. Er möchte nicht, dass Details in der Hamburger Morgenpost stehen. Doch ich darf sagen, dass jede einzelne Diagnose manch anderen aus der Bahn geworfen hätte. Nicht aber den Kapitän.

„Es ist erstaunlich, welche Erfindungskraft die Natur in der Entwicklung neuer Zipperlein beweist, sie zur Marktreife bringt und dann bei mir anwendet“, witzelt er. Nicht jammern, bloß nicht klagen. Auf gar keinen Fall unterkriegen lassen, auch von diesem Mix an Krankheiten nicht. Er sieht gut aus, wie immer, weißes T-Shirt, blaue Jacke, Bart und Haar frisch frisiert. Er lässt sich nicht hängen.

Haltung bewahren, egal, was kommt

Seine Frau, sagt er, habe als Krankenschwester gearbeitet. Was sie bei der Arbeit sah: junge Menschen mit Krebs, Kinder, die das Schicksal schlug, das sei wirklich schlimm. Worunter er leide, nun, das sei eben „altersgerecht“. Gestern Morgen sei er beim Anziehen der Strümpfe eingeschlafen, tief und fest, im Sitzen. Er schüttelt den Kopf. Dann möchte er das Thema wechseln. Er zündet eine Zigarette an und regt sich über die UEFA und volle Ränge in Fußballstadien auf.

 

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Ich bewundere diese Härte an Kapitän Schwandt. Vielleicht ist es eine Frage der Generationen. Wer noch den Krieg erlebte und die Jahre danach, wer Hunger in Hamburg spürte und in den Trümmern von Sankt Georg aufwuchs, der bewertet manche Dinge eben anders. Auch viele Jahrzehnte danach.

Bevor wir uns verabschieden, machen wir das nächste Treffen aus, mit vollem Impfschutz. Im Museumshafen von Övelgönne wollen wir uns wiedersehen, vorausgesetzt natürlich, es geht dem Kapitän entsprechend gut. Ich freue mich, wenn endlich etwas Normalität zurückkommt. Und ich freue mich darauf, noch Zeit mit meinem Freund verbringen zu können.

 

Stefan Kruecken, Jahrgang 1975, leitet mit seiner Frau Julia den von ihnen gegründeten Ankerherz Verlag. Vorher war er Polizeireporter für die Chicago Tribune und arbeitete als Reporter für Zeitschriften wie max, Stern und GQ von Uganda bis Grönland.

 

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