Kein Scherz: Kreuzfahrt jetzt mit der Almhütte an Bord

Auf einem Kreuzfahrtschiff der Reederei „Aida“ gibt es ab sofort eine Original Almhütte. Inklusive Alpenkulisse, Brotzeit mit Weißwurst und der Möglichkeit, rund ums Jahr Oktoberfest auf See zu feiern. Servus statt Ahoi. Eine Frage: Geht´s eigentlich noch?

Ich muss zugeben, dass ich erst das Datum prüfte, als ich die Nachricht las. War das ein April-Scherz, der mit Verspätung in meinem Postfach landete? Nein, war es nicht. Das Kreuzfahrtschiff AIDAluna bringt von ihrem Werftaufenthalt im Dock von Blohm+Voss in Hamburg eine „Almhütte“ mit.

 „Mit zünftiger Musik und Leckereien aus der Alpenregion erwartet die Gäste Hüttengaudi pur“,heißt es in der Mitteilung der Reederei. Zur Eröffnung spielt die Stimmungsband „Gletscherfezzer“, die Alpenkulisse ist aufgeklebt. „Von Frühshoppen bis Oktoberfest, mit Live-Musik und Karaoke – stimmungsvolle Unterhaltung ist garantiert.“ Dass aus dem Frühschoppen ein „früher Einkauf“ wird, Schwamm drüber.

Hamburg Hafen. Kreuzfahrtschiff AIDALuna im Dock 11 der Werft Blohm + Voss. Fotos: Aida

 

Es existieren viele Facetten, wie „Unterhaltung“ während einer Kreuzfahrt. Eine Reederei versucht sich mit Karnevalisten, andere mit Schlager-Interpreten. Es gibt Minigolfplätze, Kletterwände, Formel-1-Simulatoren und jede Form von Schnickschnack. Die „Harmony of the Seas“, halb Kreuzfahrtschiff, halb größter schwimmender Freizeitpark der Welt für 6400 Passagiere, verfügt über zwei Kletterwände, diverse Pools, Surfsimulatoren, eine, kein Witz: Seilbahn, drei Wasserrutschen, eine, wieder kein Witz: Eislaufbahn sowie ein Theater, in dem ein eigens entwickeltes Musical aufgeführt wird.

Eine Idee: Kreuzfahrt im Hafen an der Pier

Ankerherz-Kolumnist Kapitän Schwandt fragt in einer Kolumne des Bandes „Klare Kante“, warum die Schiffe überhaupt ablegen: „Baut die Maschine aus, lasst das leise Brummen der Schiffsmotoren vom Band über die Bordlautsprecher laufen – und lasst das Schiff im Hafen“, schreibt er. „Es merkt ohnehin niemand mehr, ob er auf dem Meer unterwegs ist. Das einzige Wasser, das die meisten Passagiere sehen, schwappt im Swimmingpool.“

Nun also Hüttenzauber und die Frage, wie maximal weit man sich als Passagier während einer Kreuzfahrt in jeder Hinsicht vom Meer entfernen kann.

Geschmäcker sind verschieden und streiten darf man darüber bekanntlich auch nicht, doch ich frage mich: Wieso nur bucht man eine Seereise, wieso möchte man raus aufs Meer, wenn man sich dann auf einen Holzschemel hockt, bayrische Stampf isst und hört und dabei auf angeklebte Berggipfel schaut? Was bitte soll das?

Hüttenzauber Ahoi?

Die Antwort liegt in einer Branche, die boomt (seit 2007 hat sich die Zahl der Passagiere auf dem deutschen Markt verdreifacht) und deshalb neue Nischen braucht. Nachhaltigkeit wäre so eine Nische für die Kreuzfahrt, aber davon liest man vergleichsweise wenig. Die meisten Schiffe sind noch immer mit Schweröl unterwegs. Die Internationale Schifffahrtsorganisation IMO hat sich darauf verständigt, die Emissionen um 50 Prozent zu senken.

Bis 2050.

Beliebte Zielstädte wie Dubrovnik oder Barcelona ächzen unter den Belastungen durch Besuchermassen, von denen sie wirtschaftlich nicht mal etwas haben, weil die preisbewussten Passagiere ihre Weißwurst eben in der mitgefahrenen Almhütte essen.

Also: Hüttenzauber Ahoi, mit Schweröl im Tank, aber dann bitte auch konsequent die Kinder unterstützen, wenn sie Freitags für ihre Zukunft demonstrieren. Oder wie soll das laufen?

Wer erzählt die besten Geschichten von See? Alte Kapitäne, die alles erlebt haben: Stürme, Piraten, Rotlicht. Schaut hier im Online Buchladen von Ankerherz. Wir haben die Bücher vom Meer.

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