Wieder Beinahe-Katastrophe mit Kreuzfahrtschiff in Venedig

Wieder ist es in Venedig fast zu einem schweren Unfall mit einem Kreuzfahrtschiff gekommen. Trotz eines heftigen Unwetters versuchte der Kapitän der “Costa Deliziosa” ein Anlegemanöver unweit des Markusplatzes. Das Manöver heizt die ohnehin schon emotionale Debatte über Kreuzfahrtriesen in der Lagunenstadt weiter an.

Schreie, Flüche, wild schaukelnde Boote und Wasserbusse – und beinahe ein Crash mit der Pier. Videos vom Beinahe-Unglück zeigen, wie knapp das Manöver am Sonntagnachmittag in Venedig war. In buchstäblich letztem Moment gelingt es einem Schlepper, das knapp dreihundert Meter lange Schiff vom Pier in der Nähe der Gärten der Kunst-Biennale wegzuziehen.

Die Frage, wieso der Kapitän in einem Sturm in die enge Lagunenstadt einlief, sorgt in Venedig für Wut und Empörung. Ohnehin sei es „Wahnsinn“, die Kreuzer in die Lagune fahren zu lassen, erklärte das Anti-Kreuzfahrtschiff Komitee No Grandi Navi. Bei schlechtem Wetter sei es jedoch „kriminell“. Die Vorwürfe richten sich nur an Schiffsleitung und Reederei, sondern auch an die Behörden.

Kreuzfahrtschiffe in Venedig: “Wahnsinn!”

Auf dem Video ist zu hören, dass ein Mann immer wieder “Verbrecher” ruft. Nicht auszudenken, was geschieht, wenn ein Schiff dieser Größe so nahe des Markusplatzes leck schlägt und sinkt. Erst Anfang Juni war ein Kreuzfahrtschiff beim Anlegemanöver in Venedig außer Kontrolle geraten (wir berichteten im Ankerherz Blog) und war in ein Boot gekracht. Seit Jahren gibt es eine Diskussion über große Kreuzfahrtschiffe in der sensiblen Lagunenstadt. Diese Debatte dürfte nun voll entflammen. Kritiker fragen, ob es erst zu einer Katastrophe mit Toten und einer großen Umweltverschmutzung kommen muss, bevor die endlich Behörden reagieren und ein Verbot verhängen.

Der Reederei Costa Crociere mit Sitz in Genua gehören ingesamt 28 Kreuzfahrtschiffe. Sie gehört inzwischen vollständig zum weltgrößten Kreuzfahrtkonzern Carnival-Cruises, zu dem u.a. auch die AIDA-Flotte zählt. Im Januar 2012 sank die Costa Concordia wegen grober nautischer Fehler des Kapitäns. Beim Unglück starben 32 Menschen. Dass es seinerzeit nicht weit mehr Tote gab, ist einer Reihe von Zufällen zu verdanken gewesen.

 

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