An Corona verstorbener Kapitän seit zwei Monaten im Kühlraum

Der Kapitän des Containerschiffs „Ital Liberia“ ist an Bord an Corona verstorben. Doch dem Schiff wurde in mehreren asiatischen Häfen die Einreise verwehrt. Seit knapp zwei Monaten befindet sich die Leiche des Seemanns im Kühlraum. Jetzt befindet sich das Schiff auf dem Rückweg nach Italien.

Was für eine furchtbare Geschichte von der Seefahrt in Corona-Zeiten: Seit knapp zwei Monaten befindet sich die Leiche eines an Covid-19 verstorbenen Kapitäns an Bord seines Frachters. Im Kühlraum, zwischen Fleisch und sonstigem Proviant. Der Kapitän war bereits Anfang April verstorben.

Der 294 Meter lange Containerfrachter M/V Ital Libera wird auf der Verbindung „Far East To South Africa Express (SA1)“ eingesetzt, die Häfen in China und Taiwan über Singapur mit Südafrika verbindet. Ein Update von Hapag-Lloyd vom 6. Mai besagt, dass Crewmitglieder an Bord bei der Abfahrt aus Durban positiv auf COVID-19 getestet wurden.

Kapitän stirbt an Corona – Häfen verweigern Einfahrt

Das Schiff wurde in den Hafen von Jakarta umgeleitet, wo die Crew in eine 14-tägigen Quarantäne gehen sollte. Hapag-Lloyd teilt mit, von der Partner-Reederei Evergreen die Nachricht erhalten zu haben, dass der Kapitän an Bord gestorben ist. Evergreen gehört die Ital Liberia. Hapag-Lloyd hat „nur einige Container an Bord“, wie die Reederei auf Anfrage von Ankerherz mitteilte.

Das Hamburger Traditionsunternehmen erklärte einen Fall von „Force Majeure“, einen Fall höherer Gewalt. Weil dem Schiff die Einfahrt in asiatische Häfen verweigert wurde – unter anderem in Malaysia, Singapur und Indonesien – steuert es nun Richtung Europa zurück, um die Leiche des Kapitäns zu überführen. Aktuelle AIS-Daten zeigen es im Roten Meer vor der Einfahrt in den Suez-Kanal.

Wir haben weitere Nachrichten von unserem Partner Evergreen erhalten und müssen Ihnen zu unserem Bedauern mitteilen, dass der Kapitän der MS ITAL LIBERA leider auf dem Schiff verstorben ist. Hapag-Lloyd spricht der Familie des Kapitäns unser Beileid aus. Es wurde höhere Gewalt erklärt und da keine asiatischen Häfen das Schiff akzeptieren, wurde es umgeleitet, zuerst Italien anzurufen, um den Kapitän zu repatriieren“, heißt es in einem Update vom 7. Juni zur Situation.

Familie beschreibt Schmerzen

Zu den genauen Umständen, die den Tod des Kapitäns betreffen, ist bislang wenig bekannt. Es soll sich um einen 61 Jahre alten Italiener aus La Spezia handeln. Nach Berichten italienischer Medien und maritimer Nachrichtenportale soll er bereits am 13. April verstorben sein. Seine Familie hat inzwischen Anwälte eingeschaltet und fordert Ermittlungen. Auch gibt es einen Hilfsfonds, um die zu erwarteten Überführungskosten zu tragen (hier auf „Go fund me“.)

In einer Stellungnahme beschreibt der Sohn des Kapitäns die Schmerzen, die nicht nur sein Tod bedeutet. „Sondern auch das Entsetzen, sich meinen Vater im Gefrierfach eines Schiffes vorzustellen.“ Auf See an Corona zu erkranken, ohne medizinische Hilfe – das war der Albtraum vieler Seeleute. Auch auf der Deutschen Bucht gab es bereits einen solchen Fall (wir berichteten im Ankerherz Blog).

 

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