Stefans Geschichten vom Meer: Wassertaxi Rotterdam

Jedes Wochenende erscheint eine Kolumne von Ankerherz-Verlagsleiter Stefan Kruecken in der Hamburger Morgenpost. In den “Geschichten des Meeres” geht es diesmal um den größten Hafen Europas und eine besondere Attraktion: Wassertaxi Rotterdam.

Von Rotterdam kannte ich bis letzte Woche nur den Containerhafen, den Fußballklub und die Autobahn Richtung Amsterdam. Ich ärgere mich jetzt, dass ich nicht vorher schon in die Innenstadt gefahren bin: Was für ein energiegeladener Mix aus altem Hafen und moderner Architektur! Streetart sieht man selbst im harten Hafenviertel Feyenoord überall und an einigen Ecken erinnert die Stadt wegen der Wassertürme auf den Dächern an New Jersey.

Großartig: Wassertaxi Rotterdam

Was mir besonders gefällt, sind die Wassertaxis. Sie sind schwarz-gelb angemalt, eine Reminiszenz an die „Yellow Cabs“ von New York. Sie sehen dadurch aus wie Fan-Boote von Borussia Dortmund, aber davon ab gibt es nichts auszusetzen. Es waren heiße Tage in Rotterdam, und so ein Spaß, in einem der Boote über die Maas zu rauschen, mit dem Fahrtwind im Gesicht. Auf bis zu 50 Stundenkilometer beschleunigen die Fahrer auf der Maas; in den Hafenbecken, etwa auf Höhe des Museumsschiffs SS Rotterdam, ist die Fahrt gemütlich.

 

Mehr als 50 Anlegestellen gibt es im Bereich der Innenstadt. Die Zentrale befindet sich im Schatten des Hotels New York, also unweit der Pier, an der früher die Schiffe der Holland-America-Linie festmachten. Eine Tour kann man bequem über einen Anruf oder das Telefon buchen. Innerhalb des ersten Radius kostet die Tour 4.50 €, und dieser Radius ist ziemlich groß. Kein Stress, kein Stau, keine Parkplatzsuche, und obendrein: ein ganz anderer Blick auf diese Stadt, die im Zweiten Weltkrieg von Deutschland dem Erdboden gleichgemacht worden war.

Auch Rundfahrten durch Europas größten Hafen sind möglich, müssen aber vorher angemeldet werden. (Übrigens ein echter Tipp: Die reguläre Hafenrundfahrt ist kein Vergleich zu der in Hamburg und lohnt sich nicht!) Bis zu zwölf Passagiere finden Platz in einem Wassertaxi, aber meistens waren wir „alleine“ an Bord.

Die schnellen, wendigen Boote und der gute Service machen den großen Hafen von Rotterdam ziemlich klein. An dieser Stelle also ein Vorschlag: Wieso gibt es kein solches Wassertaxi in Hamburg? Mit der Zentrale direkt unten an der Elbphilharmonie, von wo aus man dann jeden Ort des Hafens schnell und individuell erreichen kann. Das wäre eine Entlastung für die Fähren der HADAG, die besonders in den Sommermonaten an schwimmende Sardinenbüchsen erinnern. Der Autoverkehr in Hamburg steht ohnehin oft am Rande des Kollaps. Vor allem für die neuen Quartiere der Hafencity oder die spannenden neuen Viertel von Wilhelmsburg bis Harburg ist eine gute Erreichbarkeit so wichtig. Mit einem Wassertaxi in wenigen Minuten von den Landungsbrücken zur „Peking“, wäre das nicht eine traumhafte Vorstellung?

Also Hamburg: Wer macht den Anfang?

Stefan Kruecken, Jahrgang 1975, leitet mit seiner Frau Julia den von ihnen gegründeten Ankerherz Verlag (www.ankerherz.de). Vorher war er Polizeireporter für die Chicago Tribune und arbeitete als Reporter für Zeitschriften wie max, Stern und GQ von Uganda bis Grönland.

 

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